Streit um Vicco von Bülow : Gezeichnete Loriot-Biografie gestoppt

80 Seiten seiner Loriot-Biografie "Cartoons und Möpse" hatte der Schweizer Zeichner René Lehner bereits fertig - dann kam ein Einspruch der Erben. Jetzt kann man das halbfertige Projekt nur im Internet anschauen.

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Von Loriot inspiriert: Eine Seite aus dem umstrittenen Buch.
Von Loriot inspiriert: Eine Seite aus dem umstrittenen Buch.Foto: Lehner

Gut drei Jahre nach dem Tod von Vicco von Bülow alias Loriot ist jetzt eine gezeichnete Biografie des Humoristen wegen des Einspruchs seiner Nachlassverwalter gestoppt worden. "Meine Loriot-Biografie ist leider in der Schublade gelandet", teilt der Schweizer Autor, Cartoonist und Comiczeichner René Lehner auf seiner Facebook-Seite mit. "Die Erbinnen Loriots wehren sich gegen das Buch." Daraufhin habe sein Verlag von dem Projekt Abstand genommen - aus Angst vor zeit- und kostspieligen Rechtsstreitigkeiten mit den Erben Loriots, wie Lehner in einem Interview für die Szene-Website Comicradioshow sagt.

Lehner hatte bereits 80 Seiten des Buches mit schwarz-weißen, in ihrem leicht karikierenden Stil entfernt an Loriots Strich erinnernden Zeichnungen fertiggestellt. Dann habe er sich an die Töchter Loriots gewandt, wie er im Interview sagt. "Und sie haben nur kurz und bündig geschrieben, dass sie mit einer Veröffentlichung nicht einverstanden sind. Punkt."

Wer ist Verletzer, wer Verletzter?

Die Nachlassverwalter begründen ihren Schritt auf Anfrage des Tagesspiegels mit folgenden Worten: "Selbstverständlich kann jeder über Loriot schreiben, was er möchte, solange er dabei dessen Urheber- und Persönlichkeitsrechte nicht verletzt", teilt Peter Geyer von der Firma Loriot Design GmbH unter Bezug auf die Erben des Humoristen mit. Niemand habe eine der "vielen eilfertig geplanten Biografien unterbunden, jedoch mit gutem Recht sich auch nicht zur Einräumung besagter Rechte drängen lassen". Ob, wann und unter welchen Voraussetzungen diese Rechte eingeräumt werden, "obliegt nach deutschen Gesetzen ausschließlich den Erben". Diese hätten nach dem Tod Loriots beschlossen, prinzipiell keine Interviews zu geben. 

Geyer äußert zudem den Wunsch, dass "Pressevertreter nun nicht das übliche Lied von den "bösen Erben" anstimmen, sondern sich zunächst einmal überlegen würden, wer Verletzer und wer Verletzter sein könnte". Im übrigen könnte es "vielleicht auch hilfreich sein, die fraglichen Bücher an Loriots Qualität zu messen..."

Unvollendet: Das Buchcover.
Unvollendet: Das Buchcover.Foto: Lehner

Lehner betont, dass er sich der Person Vicco von Bülow mit großem Respekt und seriöser Recherche genähert habe. "Zuerst kenne ich natürlich alles von Loriot, bin schließlich mit seinen Arbeiten aufgewachsen", sagt er auf Comicradioshow. "Dann habe ich alle seine Interviews gelesen und analysiert. Schließlich habe ich querrecherchiert, habe zum Beispiel die Biografien von Horst Wendlandt oder Henri Nannen gelesen und dort gesucht, was sie über Loriot geschrieben haben." So sei nach und nach ein umfassendes Wissen über sein Leben und Denken entstanden - "übrigens sehr wohlwollend und mit dem größten Respekt geschrieben". Auch schwierige Zeiten wie von Bülows Zeit als Soldat im Krieg habe er "respektvoll und objektiv abgehandelt".

Ganz aufgeben will der Zeichner sein Projekt bislang trotz des Rückschlags nicht. „Die Zeichnungen sind ja nicht verloren und wer weiß, was sich in der Zukunft noch ergibt", sagt er. „Vorerst steht das unfertige Buch auf meiner Homepage und wartet darauf, gelesen zu werden.“ Hier finden sich die 81 Seiten des unvollendeten Projekts: www.humbug.ch/books/Loriot/loriot.html.

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