„Texas Cowboys“ : Vier Fäuste für ein Halleluja

Ein Greenhorn im Wilden Westen: Der Zweiteiler „Texas Cowboys“ von Lewis Trondheim und Matthieu Bonhomme ist eine ironische Hommage an Italo-Western und Cowboy-Groschenromane.

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Klassischer Kinnhaken. Eine Seite aus dem besprochenen Band.
Klassischer Kinnhaken. Eine Seite aus dem besprochenen Band.Foto: Salleck

Um 1880, im Saloon „White Elephant“. Ein einarmiger Veteran aus dem amerikanischen Bürgerkrieg erzählt einem Unbekannten für einen Whiskey, wie er seinen Arm verloren hat. Die Szene wiederholt sich mehrmals. Doch jedes Mal erzählt er eine andere blutige, haarsträubende Version.

Dieser Running Gag ist einer der schönsten Einfälle Lewis Trondheims, dem 1964 geborenen französischen Zeichnerstar, der durch Serien wie „Herr Hase“ oder „Donjon“ populär wurde. Diesmal beschränkt er sich auf das Szenario, während sein Landsmann Matthieu Bonhomme die Zeichnungen liefert. „Texas Cowboys“ heißt das zweibändige, jetzt auf Deutsch im Salleck Verlag erschienene Werk, dessen Episoden zuerst im Heftchenformat als Beilage im Comicmagazin „Spirou“ erschienen. Die Aufmachung mit reißerischen Titelbildern unterstreicht, dass es sich um eine Hommage an Western-Groschenromane handelt.

Wyatt Earp und Butch the Strawberry

Protagonist ist der schmalbrüstige Journalist Harvey Drinkwater, zu Beginn ein waschechtes Greenhorn aus Boston, der von seinem Chef nach Fort Worth, Texas geschickt wird – eines der am meisten gefürchteten Käffer im Wilden Westen –, um „True Stories“ für sein Western-Magazin zu finden. Im kürzlich erschienenen zweiten Band hilft der inzwischen mit dem Colt geübte Harvey seinem von Banditen erpressten Begleiter Ivy Forest aus der Zwickmühle. Dabei begegnen ihnen historische Revolverhelden wie Marshall Wyatt Earp und fiktive Charaktere wie der Saloon-Schläger „Butch the Strawberry“, der selbst Boxkampf-Champions nach allen Regeln der Kunst vermöbelt.

Komplett: Das Cover des zweiten und letzten Bandes.
Komplett: Das Cover des zweiten und letzten Bandes.Foto: Salleck

Lewis Trondheim erzählt seine ironische Western-Hommage mit spielerischer Raffinesse, die zu Abschweifungen neigt und gerade dadurch ihren Reiz gewinnt. Er fokussiert jeweils wechselnde Figuren, sodass der Leser unterschiedliche Perspektiven kennenlernt. Doch kehrt Trondheim immer zu Harvey und Ivy zurück, die beide – angelehnt an Italo-Western – nicht als klassische Helden angelegt sind, sondern sich als Schlitzohren erweisen, die sich auch mal einer Banditenbande anschließen, um später Kopfgelder für diese zu kassieren.

Der Zeichenstil des 1973 in Paris geborenen Comiczeichners Matthieu Bonhomme („Der Marquis von Anaon“, „Esteban“) überzeugt in seiner semi-realistischen, dezent romantischen Darstellung des Westens, stimmungsvoller Kolorierung sowie der sanften Überzeichnung der Charaktere. So entsteht ein amüsantes, zeitgemäßes Spiel mit den bekannten Wildwest-Motiven.

Lewis Trondheim und Matthieu Bonhomme: Texas Cowboys, Salleck Publications, zwei Bände, je 152 Seiten, je 20 Euro.

Unser Autor Ralph Trommer ist Dipl.-Animator, Autor von Fachartikeln über Comics, Prosatexten und Drehbüchern. Weitere Tagesspiegel-Artikel von ihm unter diesem Link.

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