Vorschau : Unter Dampf

Im Oktober erscheint der erste Band der deutschen Steampunk-Detektivgeschichte „Steam Noir“. Zeichner und Autor Felix Mertikat erklärt, was er mit der Serie vor hat, wie er zum Comic fand und warum er lieber seltsame Uniformen statt Baggypants zeichnet.

Daniel Klein
Feuer frei. Eine der ersten Seiten aus dem Auftaktband, die am Gratis-Comic-Tag 2011 veröffentlicht wurden.
Feuer frei. Eine der ersten Seiten aus dem Auftaktband, die am Gratis-Comic-Tag 2011 veröffentlicht wurden.Foto: promo

Pragmatischer als Felix Mertikat kann man wohl kaum erklären, wie man beim Medium Comic gelandet ist. „Da ich als Zeichentrickanimator nicht viel tauge, blieb am Ende, wenn man szenisch und dramaturgisch erzählen möchte, nur der Comic als Ausdrucksform übrig.“ Karriereplanung nach dem Ausschlussverfahren quasi. Der Comic, den der 27-Jährige als Abschlussarbeit an der Filmakademie Ludwigsburg eingereicht hat, ist letztes Jahr bei Cross Cult erschienen.

„Jakob“ hieß das Werk, in dem der namensgebende Achtjährige sich auf die Suche nach seiner verstorbenen Mutter begibt. Zeichner und Autor Felix Mertikat schrieb die Geschichte zu seiner Comic-Erstveröffentlichung in Zusammenarbeit mit dem gebürtigen Oberbayer Benjamin Schreuder, der ebenfalls die Filmakademie Ludwigsburg absolviert hat. So war die Entscheidung für das Medium Comic gleich in zweierlei Hinsicht ein Erfolg: Zum einen bekamen die beiden ihren Abschluss, zum anderen gewannen sie im gleichen Jahr noch den Sondermannpreis in der Kategorie „Newcomer 2010“.

Der Sascha Lobo der Comicbranche? Zeichner Felix Mertikat als Comickopf.
Der Sascha Lobo der Comicbranche? Zeichner Felix Mertikat als Comickopf.Foto: promo

Aktuell arbeiten Schreuder und Mertikat an der auf vier Bände angelegten Detektivgeschichte „Steam Noir“. Schauplatz ist die Welt Landsberg, welche dem Deutschland um 1900 nachempfunden ist und in der die Landmassen wie Schollen in einem Meer aus Äther treiben. Dieser Äther erlaubt es seinen Bewohnern, in Luftschiffen und Zeppelinen durch die Welt zu reisen. Unter den sich bewegenden Landmassen befindet sich auch die sogenannte Totenscholle, auf der sich die Seelen der Verstorbenen befinden. Diese Seelen sind der Grund für verschiedene  Phänomene und Verzerrungen der Realität auf den von Menschen bewohnten Gebieten. Detektiv und Wissenschaftler Heinrich Lerchenwald untersucht mit seinen Kollegen diese Vorkommnisse und stößt dabei auf ungeahnte Gefahren und Probleme, an denen die Menschen nicht unschuldig sind.

Seinen Ursprung hat "Steam Noir" im Rollenspiel „Opus Anima“, das seit einiger Zeit erhältlich ist und welches Felix Mertikat als Teil eines Teams im Laufe von 14 Jahren entwickelt hat. „,Steam Noir' ist eine deutlich schlankere und auch leichter zu verstehende Version von ‚Opus Anima’. Deswegen auch der andere Name, um diese Unterschiede deutlich zu machen, auch wenn es noch Parallelen gibt“, sagt Mertikat. Den Weg vom Rollenspiel zum Comic fand "Steam Noir" durch die Vorstellung Buches zu „Opus Anima“. Darin waren neben der Geschichte und den Spielregeln auch Illustrationen von Mertikat enthalten, die er als weitere Referenz an Cross Cult übergab. „Die Zeichnungen von Felix haben mich gleich fasziniert“, erinnert sich Andreas Mergenthaler,  einer der beiden Verleger von Cross Cult.

Die ersten Seiten des im Oktober erscheinenden Bandes zu „Steam Noir“ - die es bereits in einem Heft vom vergangenen Gratis-Comic-Tag zu sehen gab - sind bereits sehr stimmungsvoll und zeigen eine eindrucksvolle Steampunk-Welt, inklusive der genretypsichen von Dampf betriebenen Maschinen. Mit seinem sehr detaillierten Figuren und interessanten Perspektiven, die immer wieder einen anderen Blick auf das Geschehen erlauben, macht Mertikat Lust auf mehr. Die Inspiration zu seinem neuen Werk bekam der Zeichner und Autor durch Klassiker wie „Die Stadt der verlorenen Kinder“, „Lemony Snicket“, „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ so wie Sherlock Holmes und Jules Verne. Dennoch zeigt sich „Steam Noir“ bereits jetzt als selbständiges und sehr kreatives Werk.

Was ihn am Steam-Punk-Genre fasziniert erklärt Mertikat so: „Weil man damit immer eine Allegorie auf unsere Jetztzeit erzählen kann, vor allem der  verantwortungsvollem Umgang mit Technologien. Außerdem genieße ich es, diese Kostüme zu zeichnen und mir auszudenken - die machen schon mehr her als T-Shirt und Baggypants.“

Band 1 von "Steam Noir" wird im Oktober bei Cross Cult erscheinen. Auf dem diesjährigen Comicfestival in München, welches vom 23. bis 26. Juni stattfindet,  wird es eine Ausstellung zu „Steam Noir“ geben, bei der auch Felix Mertikat und Benjamin Schreuder vor Ort sein werden.

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