Wissenschaftscomics : Bilder der Wissenschaft

Eine Berliner Ausstellung und ein Symposium präsentieren Comics, die Wissenschaft unterhaltsam vermitteln. Einem Verein ist das suspekt, er wittert Geldverschwendung.

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Stößt dem Steuerzahlerbund bitter auf: Eine Passage aus dem Wissenschaftscomic "Klar soweit?".
Stößt dem Steuerzahlerbund bitter auf: Eine Passage aus dem Wissenschaftscomic "Klar soweit?".Foto: Helmholtz-Gemeinschaft / Veronika Mischitz / CC-BY-ND 4.0

Diese Möhren schmecken dem „Bund der Steuerzahler“ gar nicht gut: „Mit dem ihr anvertrauten Steuergeld sollte die Helmholtz-Gemeinschaft sorgfältiger umgehen und nicht Comics über Mohrrüben mit minimaler Reichweite finanzieren“, rügt die Organisation in ihrem aktuellen „Schwarzbuch 2015“. Was den Verein, der sich gegen die Verschwendung öffentlicher Gelder engagiert, so aufregt? Ein Projekt der Helmholtz-Gemeinschaft, das im Februar 2014 begann: In einem monatlichen Comic der Zeichnerin Veronika Mischitz werden wissenschaftliche Themen auf leicht zugängliche, spielerische Weise vermittelt, jeden Monat gibt es einen neuen Strip, 865 Euro kostet das im Monat laut Steuerzahlerbund.

Zu teuer? Nach Ansicht des Vereins auf jeden Fall – was mit einer Episode begründet wird, die im April unter dem Titel „Verbitterte Möhren“ veröffentlicht wurde. Darin wollte die Zeichnerin „neueste Erkenntnissen von Lebensmittelchemikern an der TU München“ zur Freisetzung von Bitterstoffen vermitteln. Das stieß den selbst ernannten Kostenwächtern bitter auf – auch weil sie vermuten, dass der Comic nur wenig Verbreitung erfährt. So sei er „in den gängigen Netzwerken Facebook und Twitter bisher weniger als 100 Mal“ weiterempfohlen worden.

Eine gezeichnete Doktorarbeit über die „Entflachung“ des Denkens

Bei der Helmholtz-Gemeinschaft hingegen zieht man eine positive Zwischenbilanz des Experiments: „Wir freuen uns sehr über das positive Feedback der LeserInnen, von denen im Schnitt 1250 den Comic hier im Blog aufrufen“, erklärt der Social Media Manager der Wissenschaftseinrichtung, Henning Krause.“ In den letzten zwölf Monaten hatten wir so 15.000 Abrufe im Blog.“ In den Sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter „bekommen den Comic über Weiterverbreitungen im Monatsschnitt sogar 23.000 Nutzer angezeigt.“

Ob dem Steuerzahlerbund der Besuch einer Veranstaltungsreihe helfen würde, die an diesem Sonnabend in Berlin beginnt? Am 5. und 6. Oktober findet in Berlin das Symposium "Science meets Comics" statt. Veronika Mischitz, die den "Klar Soweit?"-Comic für die Helmholtzgemeinschaft zeichnet, und Helmholtz-Vertreter Krause werden die jetzt so harsch kritisierte Reihe dort vorstellen.

Weitere Teilnehmer des Symposiums sind der Autor und Zeichner Nick Sousanis, der kürzlich seine Doktorarbeit über die „Entflachung“ des Denkens in Comicform vorgelegt hat, sowie der Paläontologe und Geobiologe Reinhold Leinfelder, der ein viel beachtetes Comicprojekt zur Ausstellung „Willkommen im Anthropozän – Unsere Verantwortung für die Zukunft der Erde“ im Deutschen Museum München wissenschaftlich betreut hat

Anlässlich des Symposiums veranstaltet die Galerie Projektraum C10 in Berlin eine Ausstellung von Wissenschaftscomics. Neben Comics des Exzellenzcluster “Bild. Wissen. Gestaltung” der Humboldt-Universität werden auch 13 Ausgaben von “Klar Soweit?” gezeigt. Die Vernissage findet an diesem Sonnabend, dem 3. Oktober ab 18 Uhr statt, Öffnungszeiten der bis 24 Oktober laufenden Ausstellung: jeweils Dienstag bis Freitag von 13 bis 19 Uhr und Sonnabend von 13 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei. Zeichnerin Veronika Mischitz ist sowohl zur Vernissage als auch zu einem Künstler-Gespräch am Montag, dem 5. Oktober um 18 Uhr anwesend. Weitere Informationen unter diesem Link.

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