Kultur : Diese Woche auf Platz 28 Kool Savas

„Der beste Tag meines Lebens“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Mag er auch immer wieder totgesagt worden sein – die Leiche zuckt noch. Alle Jahre wieder schafft es jemand, dem HipHop deutscher Zunge noch einmal ein Lebenszeichen abzuringen. Kool Savas etwa wird sogar vom Hardcore-HipHopFanzine „Focus“ als „Deutschlands Eminem“ anerkannt. Yo man, Respekt! Das ist amtlich. Da hat MC Markworts Posse verdammt gut zugehört: Kool Savas hat den gleichen nölenden Tonfall wie sein amerikanisches Vorbild, die gleiche Art, seine Stimme nach vorn zu mixen. Und natürlich fordert auch er die halbe Welt auf, sich oral an seinen Geschlechtsmerkmalen zu betätigen.

Savas (sprich: Sawasch) Yurderi, ist 27 Jahre alt und kam vor fünfzehn Jahren mit seiner Mutter über Istanbul und Aachen nach Berlin. Damals hat er sich gewundert, dass die Kids in der Schule die Füße auf den Tisch legten. Er habe sich den lokalen Sitten dann aber schnell angepasst. Heute veröffentlicht der renitente „König der Schulhöfe“ („taz“) seine fortlaufenden Ergüsse bei den sonst so sittsamen Bertelsmännern und will nicht weniger als „die Welt zu verändern wie der 11. September“.

Sätze, die nicht nur Pädagogen im Kopf wehtun müssen, sondern auch ihrem Urheber. Doch Kool Savas’ erstes Album stieg letzte Woche auf Platz sechs ein. Diese Woche fiel es allerdings auf Platz 28 zurück. Das ist normal bei einem Nischenprodukt, sagt die Plattenfirma. Bei Erscheinen rennen die Fans in den Laden, danach klingt das Interesse etwas ab.

Das rhythmische Reizangebot von Kool Savas wird von seiner Freundin in Heimarbeit hergestellt. Melbeatz, so nennt sie sich, und sie schafft es tatsächlich mühelos, aus einem Song wie Laurie Andersons zwanzig Jahre altem „Born, Never Asked“ einen fetten Gangsta-Rap zu machen. Ob sie sich die Platte von ihrem Lehrer geliehen hat? Ralph Geisenhanslüke

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