Dokumentation "Staatsdiener" : Freunde und Helfer gesucht

Hooligans und randalierende Nazis: In ihrer aufschlussreichen Dokumentation „Staatsdiener“ begleitet Marie Wilke junge Polizeianwärter während ihrer Ausbildung.

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Ausschnitte aus der Ausbildung: "Staatsdiener"
Ausschnitte aus der Ausbildung: "Staatsdiener"Foto: Zorro Filmverleih

Ein Streit unter Nachbarn eskaliert. Erst fliegen böse Worte, dann ein Messer. Dazwischen zwei junge Polizisten, die die Streithähne zu trennen versuchen. Zwei andere Uniformierte erklären einem Ruhestörer die gesetzliche Sonntagsruhe in Deutschland. Doch die Belehrungen kommen zaghaft, die Bewegungen wirken unsicher. Denn die Uniformierten sind Schüler und Schülerinnen der Polizeifachhochschule Sachsen-Anhalt. Die Konfliktsituationen wurden mit professionellen Störenfried-Darstellern simuliert.

Polizist zu sein, ist heute nicht einfach, wenn man den Beruf ernst nimmt, was derzeit etwa die Einsätze gegen randalierende Nazis zeigen. Das Spannungsfeld zwischen mutiger Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols und Missbrauch dieser Gewalt ist eng. Wie man junge Menschen für diesen Balanceakt ausbildet, ist für unser Zusammenleben höchst wichtig, liegt jedoch weitgehend im Dunkel. Ändern will das die Doku „Staatsdiener“, in der Regisseurin Marie Wilke junge Polizeianwärter über ein Jahr ihrer Ausbildung begleitet. Wie auch ihre Ausbilder sind sie keine Haudrauftypen – und zumindest einige von ihnen haben sich nicht nur wegen der beamtlichen Absicherung oder der schönen Waffen, sondern aus idealistischen Motiven für diese Laufbahn entschieden.

Einblicke in eine unbekannte Welt

Die nachdenkliche Kathrin, im Zentrum des Films, hat mit dem autoritären und im Ernstfall handgreiflichen Auftreten ihre Mühe, da mag die Uniform noch so sehr die Standfestigkeit bei der „aufmerksamen Sicherungshaltung“ erleichtern. Solche Unsicherheiten nach den Einsätzen werden mit den Ausbildern erstaunlich offen besprochen. Auch untereinander debattieren die Eleven reflektiert über Verantwortung und Pflichten. Das Brüllen wird trotzdem geübt.

Diese Übungssituationen hält der Film der bei Harun Farocki geschulten Filmemacherin unaufgeregt fest. Bei den ersten echten Einsätzen allerdings überträgt sich die Nervosität auch sichtbar auf die Kamera – einmal geht es gegen Hooligans, dann um die Begleitung einer NPD- Demo. Dass diese Gruppen so negativ besetzt sind, macht die Sympathie mit den Protagonisten vielleicht etwas zu leicht. Doch Wilke geht es nicht um Anklage, sondern um Einblicke in eine unbekannte Welt. Dazu gehören auch die peniblen Dokumentationspflichten nach dem Einsatz – arg bürokratisch, doch im Rechtsstaat notwendig.

Acud, Bundesplatz, Sputnik

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