Kultur : Eine Schatzkiste für das Museum

Nachlass-Schenkung von Gertrud Jakstein

Klaus Büstrin

Der Name ist kaum noch zu lesen. Man musste auf dem kleinen Friedhof in Sacrow recht genau gucken, denn die Witterungseinflüsse haben den Namen Gertrud Jakstein auf dem Grabstein unkenntlich gemacht. Erst unlängst wurde die Begräbnisstätte wieder entdeckt. Am 5. Juli 1950 starb die Künstlerin und Kunsterzieherin, die von der Reformpädagogik beeinflusst wurde. In Sacrow fand sie neben ihren Eltern ihre letzte Ruhe.

Am Montag wurde Gertrud Jakstein, die man auch gern nur Tutti nannte, geehrt. Abgesandte des Potsdamer Kunstvereins e.V., des Potsdam-Museums und seines Fördervereins legten Blumen am Grab auf dem Sacrower Friedhof nieder. Zuvor luden der Kunstverein und der Förderverein des Potsdam-Museums in die Dortuschule ein, dort, wo Gertrud Jakstein ab 1909 vierzig Jahre lang einen viel beachteten Kunstunterricht gab. Da hatte die Schule als Oberlyzeum, eine „Studienanstalt für Mädchen mit einem einjährigen Lehrerinnenseminar“ einen guten Ruf, von 1946 bis 1957 war sie die Oberschule 8, eine „Demokratische Einheitsschule für die Klassenstufen 1 bis 12“. Unterricht genossen bei der Kunstpädagogin neben vielen anderen Kindern und Jugendlichen unter anderen die Kinderbuchautorin und Verlegerin Bettina Hürlimann, geborene Kiepenheuer, und der ehemalige Kunstkritiker dieser Zeitung, Kurt Schifner. Suse Globisch-Ahlgrimm, die als Kunstpädagogin und Künstlerin in die Fußstapfen von Gertrud Jakstein trat, erinnert sich mit Freude an ihre einstige Mentorin, die am 27. April 1879 in Potsdam geboren wurde.

Über zwei Schenkungen kann sich das Potsdam-Museum nun freuen, die vom Kunstverein und dem Förderverein vermittelt wurden: ein Selbstporträt Gertrud Jaksteins (Tuschezeichnung) aus dem Jahre 1908, das unter dem Einfluss von Käthe Kollwitz entstand. Der Potsdamer Kunstverein erwarb das Bild mit Hilfe einer finanziellen Unterstützung von Suse Globisch-Ahlgrimm und Regine Schindler, Tochter von Bettina Hürlimann. Des weiteren kann das Museum eine Kiste mit über 200 Kinderzeichnungen aus den Jahren 1909 bis 1948 sein Eigen nennen. Eine richtige Schatz-Kiste. Darin fand man auch Handzeichnungen der Künstlerin, ein Skizzenbuch, Fotos, Aufzeichnungen und Briefe. Dieser Nachlass kam in die Hände des Kunstpädagogen Jürgen Barber in Frankfurt an der Oder. Nun wird er gemeinsam mit einer Schenkung aus den siebziger Jahren von Erika und Wilhelm Zimmermann zur weiteren wissenschaftlichen Aufarbeitung im Potsdam-Museum aufbewahrt.

Das künstlerische Werk von Gertrud Jakstein, das sich vor allem der Landschaftsmalerei und der Zeichenkunst zuwandte, sowie das Studium der Dokumente, können noch mehr Aufschluss über das Kunstleben und die Kunstpädagogik in Potsdam in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bringen. Darüber hinaus wird an eine Persönlichkeit der Stadt erinnert, die mit großem Engagement für die humanistische künstlerische Erziehung von jungen Leuten viel geleistet hat, auch in politisch schwierigen Zeiten. Klaus Büstrin

Kulturland Brandenburg 2010 mit dem Thema „Mut & Anmut/Frauen in Brandenburg- Preußen“ unterstützt die Initiative des Potsdamer Kunstvereins und des Fördervereins des Potsdams-Museums.

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