Film „Der Vater meiner besten Freundin“ : Berührt, verführt

„Der Vater meiner besten Freundin“ erzählt von einem turbulenten Sommer auf Korsika. Denn Louna verführt den Vater ihrer Freundin Marie. Lounas Vater gefällt das gar nicht.

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Louna (Lola Le Lann) mit Laurent (Vincent Cassel)
Louna (Lola Le Lann) verguckt sich in Laurent (Vincent Cassel)Foto: weltkino

Antoine (François Cluzet) hat ein Problem. Eigentlich will er ruhig Urlaub machen auf Korsika. Eine Auszeit vom Ehe-Chaos daheim, Sonne tanken mit seinem Kumpel Laurent (Vincent Cassel) und den Töchtern der beiden Männer. Doch immer wieder durchwühlen Wildschweine den Garten des Hauses. Also besorgt Antoine einen Elektrozaun. 220 Volt, der sollte die Biester in Schach halten. Von wegen: Sie treiben weiter ihr Unwesen – und Antoine in den Wahnsinn. Schließlich stürmt er mit einer Flinte hinaus in den Garten. Doch der Kontrollfreak erschießt keineswegs ein Wildschwein, sondern den Hund des netten Nachbarn.

Das tierische Durcheinander ist ein bizarres Spiegelbild der überdrehten Handlung von „Der Vater meiner besten Freundin“. Denn Antoine wird nicht nur von den Wildschweinen zum Narren gehalten, sondern auch von seinen Reisebegleitern: Die 17-jährige Tochter Louna, sein „Baby“, verguckt sich in Laurent, den lässigen, jung gebliebenen Vater ihrer Freundin Marie. Als Laurent einmal zu tief ins Glas guckt, nutzt Louna die Chance und verführt den geschiedenen Mann.

Der Vater bereut es

Diesen „Moment der Verirrung“ – so der passendere französische Originaltitel des Films von Jean-François Richet – bereut Laurent sehr schnell. Das Mädchen verfolgt ihn, seine Tochter Marie (Alice Isaaz) wittert den Skandal und auch Antoine erfährt, dass Louna mit einem älteren Mann im Bett war – nur mit wem, verdammt? Jetzt jagt der Vater das Schwein, das seine vermeintlich unschuldige Louna angefasst hat. Die Geschichte entwickelt sich voraussehbar, allerdings so, wie es Marie, die einzige Figur ohne Sonnenstich, ausdrückt: „Manchmal möchte man gar nicht wissen, wie etwas ausgeht.“

„Der Vater meiner besten Freundin“ ist ein Remake des gleichnamigen Films von Claude Berri aus dem Jahr 1977. Was seinerzeit am meisten schockiert haben dürfte, ist die Liaison zwischen Mädchen und Mann. Was heute bewegt, ist Antoines stockkonservatives Werteverständnis und seine Unfähigkeit, die Tochter ernst zu nehmen. Mit solch einem Vater würde jede Louna Grenzen durchbrechen, Drogen nehmen, die Schule schmeißen, Stress machen. Diese Louna (furchtbar aufreizend-naiv: Lola Le Lann) entscheidet sich für eine Amour fou.

Die ganze Misere ist auch für den Zuschauer nur schwer erträglich. Gags sollen Linderung verschaffen – was aber öfter platt danebengeht. Die Liebe zwischen Alt und Jung ist außerdem ein reichlich durchgespielter Topos. Nabokovs „Lolita“ erzählte schon 1955 vom fatalen Begehren erwachsener Männer nach zu jungen Mädchen. Und erst vor zwei Jahren erschuf Anne Fontaine in „Tage am Strand“ einen ähnlichen Rahmen wie in „Der Vater meiner besten Freundin“ – nur dass sich vor der schwülen Sommerkulisse zwei junge Männer über die Mutter des jeweils anderen hermachen. Verschobener Ödipuskomplex oder unkonventionelle Liebelei?

„Einfach pervers“, würde Antoine sagen. Dass die Antwort vielleicht doch nicht so simpel ist, zeigt sich erst am Ende seiner manisch geführten Jagd, als sich alle Figuren noch einmal, herrje, besonders gequälte, verständnisvolle, entschuldigende Blicke zuwerfen: Aus den Schweinen, gehetzt und lädiert, werden plötzlich Menschen.

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