Filmstart "Rot und Blau" : Komm und spiel mit mir

Kosmos Schule: der italienische Film „Rot und Blau“ ist voller Klischeefiguren. Die werden allerdings wunderbar von Regisseur Giuseppe Piccioni gebrochen werden.

von
Roberto Herlitzka
Lehrerfrust: Roberto Herlitzka in "Rot und Blau" .Foto: Kairos Filmverleih

Das Leben könnte so einfach sein. Es gibt Falsch und Richtig, Rot und Blau. Der Korrekturstift entscheidet. In Italien ist allen, die je zur Schule gegangen sind, die Bedeutung dieser beiden Farben bekannt. Abstufungen gibt es nicht, blasses Blau mit roten Einsprengseln oder ein violetter Ton. Genau um Zwischentöne aber geht es in „Rot und Blau“, einem Film des italienischen Regisseurs Giuseppe Piccioni. Schule als Kosmos: Schüler und Lehrer umkreisen einander in Umlaufbahnen und kollidieren hin und wieder. Die Geschichte folgt einem autobiografischen Buch von Marco Lodoli. Natürlich Klischeefiguren, eine Dumpfbacke, der fiese Pauker, die Klassenschönheit. Aber sie werden wunderbar gebrochen.

In einem Erzählstrang kommt ein junger ambitionierter Vertretungslehrer (Riccardo Scamarcio) an die Schule in Rom und bemüht sich etwas zu sehr um eine aus der Bahn geratene Schülerin. Als sein Plan scheitert und sie ihn enttäuscht, reagiert er trotzig und ungerecht. Was hier falsch und richtig ist, wird erst am Ende aufgelöst, überraschend und etwas hektisch. Gleichbleibend gerecht wirkt hingegen der steinalte Kunstgeschichtslehrer. Nämlich gar nicht. Er hasst alle Schüler und alle Kollegen. Roberto Herlitzka spielt ihn als fast sympathischen Kotzbrocken: zynisch und suizidgefährdet, innerlich und äußerlich ausgezehrt, ein Mensch wie ein Stück Leder. „Doch mindestens einmal in der Woche sorge ich für soziale Kontakte zu Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen“, hört man aus dem Off und sieht, wie sich ein asiatisches Callgirl in seiner Wohnung entblößt. Dann kommt doch noch Bewegung in das abgestumpfte Lehrerdasein: Eine ehemalige Schülerin sucht seine Nähe und erteilt Nachhilfe. Der Lehrer wird zum Schüler.

Sogar einen kleinen Exkurs erlaubt sich Regisseur Giuseppe Piccioni. Während Adam, der Klassenbeste, in der Schule kaum auffällt, geht es in seiner Freizeit heftig zur Sache. Er führt eine merkwürdige Beziehung mit einem Mädchen, das ihn demütigt, mit ihm spielt und zugleich von seiner Aufmerksamkeit abhängig ist. Sie ist der Gegenpol zu Adams Duckmäuser-Vater, dem nichts wichtiger ist als die perfekte Anpassung seiner rumänischen Familie. Doch Adam will nicht länger unauffällig sein und es allen recht machen, er will jung sein dürfen, Fehler machen, aus der Rolle fallen. Das endet fatal.

Acud Kino (OmU)

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