Im Kino: "Ostfriesisch für Anfänger" : Ganz schön Platt

Berlinern ist hier nicht: Dieter Hallervorden spielt die Hauptrolle in der Kulturclash-Komödie „Ostfriesisch für Anfänger“.

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Hör mol’n beten to. Tankstellenpächter Uwe Hinrichs (Dieter Hallervorden) gibt Integrationsunterricht.
Hör mol’n beten to. Tankstellenpächter Uwe Hinrichs (Dieter Hallervorden) gibt Integrationsunterricht.Foto: Universumfilm

Die trauen sich ja was. Besetzen die Hauptrolle einer plattdeutschen Komödie mit einem Mann, der als Urberliner gilt, obwohl er in Dessau geboren ist – mit Dieter Hallervorden nämlich, der durch Filme wie „Honig im Kopf“ und „Das letzte Rennen“ derzeit der Vorzeige-Greis des deutschen Kinos ist. So grantig und knuffig zugleich. Auch diesmal hat er in der Rolle des eigenbrötlerischen Tankstellenpächters Uwe Hinrichs mit seinem Charisma und der zwischen Kinderstaunen und Sentimentalität changierenden Mimik wieder alles voll im Griff. Das antrainierte friesische Platt klingt aber trotzdem aufgesagt. Doch was soll einer wie der Regisseur Gregory Kirchhoff machen, wenn das einzige Kinozugpferd, das Ostfriesland je hervorgebracht hat, Otto Waalkes heißt und mehr ein ewiger Kindskopf als ein Charakterkopf ist?

Die Kulturclash-Komödie in Mundart ist die Antwort des Norddeutschen Rundfunks auf auch im Kino erfolgreiche bayerische Regionalkomödien wie „Dampfnudelblues“ und „Schweinskopf al denke“. „Ostfriesisch für Anfänger“ ging aus dem vom NDR initiierten Nachwuchsprogramm „Nordlichter“ hervor.

Trottelige Neo-Nazis haben sie auch in Ostfriesland

Und tatsächlich hat das platte Land rund um das fiktive Kaff Niederhörn genau wie der deutsche Süden auch seine pittoresken Reize. Eine ärgerlich wenig ernst zu nehmende Truppe von Mofa fahrenden Aushilfs-Neonazis beispielsweise. Sie sind prompt zur Stelle, als es der Dorfgemeinschaft darum geht, den für den deutschen Arbeitsmarkt angeworbenen ausländischen Fachkräften, die aufgrund eines Integrationsprogramms in Niederhörn anlanden, die Bedeutung des Wortes Rassismus zu lehren.

Kern der mit Stereotypen reich gespickten, märchenhaften und am Ende ins Sentimentale kippenden Feelgood-Komödie ist die hübsch gespielte, aber an drei Knöpfen abzählbare Annäherung zwischen dem hoch verschuldeten und vereinsamten Witwer Hinrichs und dem ungleich sonnigeren Libanesen Abdullelah (David A. Hamade).

Hinrichs bringt Platt- nicht Hochdeutsch

Ausgerechnet Hinrichs, den die Gemeinde von seinem zwangsversteigerten Hof gejagt hat, fungiert nämlich plötzlich unfreiwillig als Sprachlehrer für das Grüppchen junger Menschen aus aller Herren Länder – kurz „de Utlänner“ genannt. Um der Rückübertragung seines Hauses willen, in dem inzwischen die stark irritierten Außerfriesischen einquartiert sind. Nur leider ist es Platt- und nicht Hochdeutsch, das Hinrichs lehrt.

Das führt erst zu schweren Turbulenzen zwischen Lehrer, Schülern und Ämtern und schließlich zur wundersamen Völkerverständigung der Herzen. Gemäß dem schlichten, derzeit in vielen Toleranz-Komödien herrschenden Bauplan „Einheimische und Einwanderer, Alte und Junge – lernt euch einfach kennen, dann passt ihr schon zusammen“. Tja, stünde im wirklichen Leben auch nur zufällig ein Buddelschiff zum Fertigbauen herum wie in der Stube des alten Tankwarts, wo der Schiffsbauer Abdullelah heimlich die Pinzette anlegt, dann könnte jeder Deutsche gleich sehen, was ein Libanese alles kann.

In den Berliner Kinos Cinemaxx Potsdamer Platz, Kulturbrauerei, Kino Spreehöfe, Kino Toni, Union Filmtheater

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