Mireille Mathieu wird 70 : Unter dem Rosenregen

Ganz viel Schlager und auch ein bisschen Chanson: der Sängerin Mireille Mathieu zum 70. Geburtstag.

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Bonjour, Mademoiselle! Mireille Mathieu 2014 bei einem Konzert in Paris.
Bonjour, Mademoiselle! Mireille Mathieu 2014 bei einem Konzert in Paris.Foto: Bertrand Guay/AFP

Ihre Karriere ist ein Märchen. Das vom armen, 1,53 Meter kleinen Aschenputtel, das es – nach dem frühen Tod von Edith Piaf – zum langlebigsten Spatz des internationalen Showgeschäfts gebracht hat. Allein durch ein gütiges Geschick, ein sonniges Gemüt, ein kräftiges Gesangsorgan, dramatische Gestik und eiserne Disziplin. Mireille Mathieu, die am 22. Juli 1946 als eines von 14 Kindern eines Friedhofs-Steinmetzen in Avignon geboren wurde, mit Legasthenie geschlagen war und mit 14 die Schule ohne Abschluss verlassen musste, um als Hilfsarbeiterin in einer Fabrik zum Familieneinkommen beizutragen, meidet die Sonne, schläft täglich neun Stunden, verzehrt Bioprodukte, raucht nicht, trinkt Champagner nur in Maßen und gibt sich nicht öffentlich mit ausschweifenden Amouren ab.

Ein Rezept, das der Chansonnière zu 130 Millionen verkauften Alben und einem Ikonenstatus in den Fächern Schlagerchanson und Pagenkopf mit Innenwelle verholfen hat. Im vergangenen Jahr erst hat sie im Berliner Friedrichstadt-Palast ihr 50. Bühnenjubiläum mit einem rosenregenreichen Konzert gefeiert. Umjubelt von ihren treuen deutschen Fans, die sich noch nie daran gestört haben, dass die stets überdeutlich prononcierende Interpretin von Liedern wie „Hinter den Kulissen von Paris“ oder Akropolis adieu“ kein nennenswertes Deutsch spricht. Die1964 bei einem Gesangswettbewerb durch das Fernsehen entdeckte Sängerin in elf – nur phonetisch erlernten – Sprachen zu vermarkten, gehört zu den die Weltkarriere geschickt befeuernden Schachzügen ihres langjährigen Managers Johnny Stark. Die Demoaufnahmen, nach denen Mathieu ihre deutschen Texte lernte, sang Kollegin Katja Ebstein.

"Tarata-Ting, Tarata-Tong" ist schmissig und unschuldig

Darunter sind betörend unschuldige und schmissige Weisen wie „Tarata-Ting, Tarata-Tong“. Der Song von 1969 gehört zu den unzähligen Liedern, die das deutsche Komponistenduo Christian Bruhn und Georg Buschor der Sängerin auf den Leib geschneidert hat. Immer rund um die Themen Liebe, Frankreich und Paris. Wie heißt es in besagtem Lied so schön? „Tarata-Ting, Tarata-Tong, Tarata-Ting, Tarata-Tong/ Die schönen Stunden gehen viel zu schnell vorbei./Tarata-Ting, Tarata-Tong. Und darum singe ich meinen Song, / Solange die Liebe noch so jung ist und so neu.“

Die ganze Tiefe dieser Worte haben vor ein paar Jahren erst die Geschwister Pfister in ihrer Hommage an die Siebziger-Stars Peter Alexander und Mireille Mathieu namens „Servus, Peter – o là là, Mireille“ so richtig herausgearbeitet. Eine vergnügliche, die kollektive Fernsehsozialisation der Generation Babyboomer feiernde Show, die von der „Grande Dame“, wie die in Frankreich zum nationalen Kulturerbe zählende Sängerin zu Hause heißt, sogar lobend zur Kenntnis genommen worden sein soll.

Wie die als konservativ geltende Katholikin ihren 70. Geburtstag an diesem Freitag auch immer verbringen mag – die nächsten Konzerttermine in der Slowakei, Tschechien und Polen sind für den Herbst geplant. „Die Menschen spüren“, glaubt sie, „dass ich es liebe, auf der Bühne zu stehen“.

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