Interview : Lena: „Man kann nicht jahrelang 18 sein“

Lena Meyer-Landrut spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über „Unser Song für Deutschland“, ihre Kritiker und das Erwachsenwerden

Dunkle Ahnungen. Lena Meyer-Landrut am Freitagabend mit ihrem Siegersong für Deutschland.Weitere Bilder anzeigen
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19.02.2011 21:15Dunkle Ahnungen. Lena Meyer-Landrut am Freitagabend mit ihrem Siegersong für Deutschland.

Lassen Sie uns über Musik reden.

Danke.

Ihre Stimme wirkte stärker und kräftiger bei der ersten Ausgabe von „Unser Song für Deutschland“. Haben Sie Stimmtraining gehabt?

Training nicht, aber ein bisschen Unterricht, was Aufwärmen und Abklingenlassen der Stimme angeht. Ich wärme jetzt meine Stimme vorher mit dreimal „Lalala“ auf. Ich singe ja jetzt auch viel mehr als früher. Außerdem hatte ich mehr Zeit, mich auf die Songs vorzubereiten. Ich musste mich ja auf nichts anderes konzentrieren, zum Beispiel Schule. Ich hab bloß leider nicht so viel Bock aufs Stimmeaufwärmen.

Aber auf Singen schon noch?

Absolut.

Waren Sie überrascht, dass der düstere Titel „Taken By A Stranger“ so ein klarer Hallenfavorit war bei der Show am Montag?

Nee, eigentlich nicht. Ich fand den Song von Anfang an total geil! Wir hatten hier eine Listening Session, um die Titel für das Album auszusuchen. Als „Taken By A Stranger“ begann, war ich gerade kurz raus. Weil wir aber alle Nummern ordentlich laut aufgedreht haben, hatte ich genug Sound. Und ich fand's total cool. Und dann kam ich wieder, und alle fanden's doof. Und ich hab' dann gesagt: „Aber Leute! Stellt euch doch mal vor, was man da für 'ne coole Show zu machen kann!“ Und dann haben wir's genommen.

Würden Sie es gerne am 14. Mai in Düsseldorf singen?

Es ist mir eigentlich egal, welches Lied am Ende gewinnt. Drei sind jetzt eh schon von den Zuschauern rausgewählt. Ich mag die Lieder aber alle. Ich hab sie mir ja alle zwölf ausgesucht.

Den von Ihnen selbst geschriebenen Titel „What Happened To Me“ mochte das Publikum auch. Wie ist der entstanden?

Ich war zu Hause und hab geräumt oder geputzt, als mir die Melodie eingefallen ist. Dazu habe ich mir irgendwelche Worthülsen überlegt und habe das aufs iPhone gesungen. Und irgendwann saßen wir bei Stefan im Studio, und er fragte: „Hast du nicht noch irgendeine Idee für'n Song?“ Und ich hab gesagt: „Ja, ich hab' was auf dem Handy, aber ich will dir das nicht vorspielen, das ist mir peinlich …“ Und er sagte: „Doch! Mach es!“ Und dann habe ich meinen inneren Schweinehund überwunden und hab's gemacht, und so ist es zu dem Lied gekommen. Es entspricht jetzt ziemlich genau eins zu eins dem Ursprungsentwurf. Melodie und Text von Bridge und Chorus hab ich selber sofort gemacht, die Strophen haben wir zusammen entwickelt.

Und plötzlich sind Sie eine Songwriterin.

Ja! Ist doch super. Und besonders gut finde ich, dass es angekommen ist. Das heißt, dass ich weitermache mit dem Liederschreiben.

Was erwartet uns in der Show am Montag?
Das sind wieder sechs tolle Songs, diesmal ist auch was in Richtung Soul und R&B dabei. Unter anderem ein Titel, den Aloe Blacc extra für mich geschrieben hat, von dem auch „I Need A Dollar“ ist. Nach einer Woche Pause freue ich mich schon wieder total darauf, auf der Bühne zu stehen.

Es gibt viel Gegenwind für Sie im Moment. Die Resonanz auf die erste Ausgabe von „Unser Song für Deutschland“ fiel eher kritisch aus. Bisher hatten Sie nicht viel Kritik auszuhalten. Waren Sie auf das negative mediale Echo vorbereitet?

Na ja, es gab auch viele positive Stimmen. Klar gibt es Menschen, die sagen: „Das ist 'ne Scheißidee, noch mal anzutreten.“ Ich fand`s gut!

Haben Sie einen Mechanismus, mit dem Sie Kritik besser aushalten?

Ich krieg' das ganz gut hin, dass ich herausfiltere, was für mich nützlich ist und was nicht, was annehmbare Kritik ist und was einfach nur Gelaber. Man darf sich das alles halt nur nicht zu sehr zu Herzen nehmen.

Vor ein paar Monaten haben Sie das Gleiche über die Lobeshymnen gesagt.

Genau.

Haben Sie eine Erklärung dafür, dass die Kritik so heftig ausfällt?

Ich glaube, das ist etwas ganz Natürliches. Erst sagen alle „Ja“, und darauf muss dann auch ein „Nein“ folgen. In diesem Geschäft ist Gegenwind normal. Und dann macht man irgendwann etwas, dass dann plötzlich doch wieder alle gut finden. Und dabei ist das dann nichts anderes als das, was man bisher auch schon gemacht hat.

Fällt Ihnen das öffentliche Auftreten jetzt leichter oder schwerer als damals? Ist Routine gut oder schlecht für Sie?

Es ist nicht so, dass ich jetzt total relaxt wäre und mich das alles gar nicht mehr kümmern würde. Aber natürlich kann ich mich jetzt nicht mehr genauso fühlen wie am allerersten Tag, als ich auf der Bühne stand. Das wäre ja absurd. Ich entwickle mich ja weiter im Leben – genau wie jeder andere Mensch. Ich bin einfach ich selber, Veränderungen eingeschlossen.

Das heißt, Sie sehen die 18-jährige Lena von damals schon etwas aus der Distanz?

Auf jeden Fall. Aber ein Jahr im Leben macht im Alter von 16 oder 17 bis 25 Jahren ja sowieso einen viel größeren Unterschied, als ob man von 45 auf 46 wechselt. Es ist so viel passiert, ich habe so viel erlebt, gesehen, gelernt. Da kann es ja gar nicht anders sein, als dass ich mich weiterentwickele.

Und trotzdem verlangt das Publikum, Sie sollen bitte genauso sein wie damals.

Manche machen's ja, die spielen sich selbst in Jung. Bei Britney Spears hat das jahrelang geklappt. Nur: Ich habe einfach keinen Bock darauf, jahrelang 18 zu sein.

Jetzt sagen manche: „Lena ist erwachsen geworden, sie ist gereift“. Was denken Sie, wenn Sie so was hören?

Dann denke ich: Ja, danke. Es ist ein Kompliment. Vor einem Jahr fühlte ich mich auch schon erwachsen, da war dieser Job aber eben noch neu für mich. Wenn du 'ne Bäckerlehre beginnst, dann ist das am Anfang ja auch noch alles neu für dich. Nach einem Jahr Erfahrung fühle ich mich natürlich viel sicherer, und das merkt man mir bestimmt auch an. Finde ich super!

Am 13. April startet Ihre erste Live-Tour. Was erwartet uns? Feuerwerk? Tänzer ohne Hemden? Laserstrahlen? Showtreppe? Kostümwechsel? Konfetti?

Es wird auf jeden Fall Tänzer geben! Es wird getanzt und geshowt ohne Ende! Aber nicht so durchchoreographiert mit auffer Harley und so...

Begleiten Sie die Heavytones von Stefan Raab oder eine neue Band?

Eine neue Band. Die Heavytones sind ja bei „tv total“ im Einsatz.

Ralph Siegel will in Düsseldorf mit einem 15-jährigen Mädchen aus Malta antreten, die Sie ganz eindeutig kopiert. Wie finden Sie das?

Ja, äh, hübsches Mädchen. Sieht gut aus (kichert). Zufälle gibt’s. Herr Siegel hat einfach ein Gespür für Gutes.

Was ist denn Ihr Ziel für Düsseldorf? Stefan Raab setzt auf Sieg, Sie sagen: nur nicht Letzte werden. Wäre Platz 12 auch okay?

Klar hab’ ich Bock auf die Titelverteidigung! Aber ob Platz 12, 18 oder fünf: Dabei sein ist alles.

Sie werden kurz nach Düsseldorf 20. Cool oder nicht? Und wo wird gefeiert?

Ich finde das cool. Ich finde Geburtstage immer toll. Ich fange jetzt schon an, mich zu freuen. Ich bin ein richtiger Geburtstagsmensch. Als ich in Oslo Geburtstag hatte, mussten ja auch alle Leute Partyhütchen aufhaben, weil mein Geburtstag war. Ich liebe Geburtstage über alles, wirklich: die Party, das Essen, die Geschenke, die Leute … Ich glaube, ich feiere zu Hause und lade alle Leute ein. In Hannover.

Sind Sie denn noch öfter in Hannover? Oder meistens in Köln?

Ich würde sagen: zu 96 Prozent in Köln.

À propos 96: Sie haben gesagt, Sie seien Fan vom 1. FC Köln. Das geht natürlich gar nicht.

Das liegt einfach nur daran, dass ich mit Fußball noch nichts am Hut hatte, als ich noch in Hannover gewohnt habe. Und hier in Köln kommt man einfach nicht drumherum.

Aber Hannover 96 ist doch viel erfolgreicher als Köln.

Aber es geht ja nicht immer um Erfolg.

Sie sind direkt nach der Schule im Beruf gelandet. Andere in Ihrem Alter nehmen sich erst mal eine Auszeit, reisen herum, orientieren sich. Kommt das nach Düsseldorf?

Nach dem ganzen Trubel finde ich eine Auszeit bestimmt gut. Das kommt auf jeden Fall nach Düsseldorf. Ich will dann erst mal weg aus Deutschland, und am besten auch weg aus Europa. Irgendwohin, wo mich keiner kennt.

Und dann?

In ein Café gehen. Und schmatzen. Und schlabbern. Und keinen interessiert’s.

Das Gespräch führte Imre Grimm.

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