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Porträt : Abgang auf Gummischuhen

15.04.2013 17:53 Uhrvon
Lampenfieber kennt er nicht. Guy Braunstein, 1971 in Tel Aviv geboren, im Foyer der Philharmonie. Foto: Thilo RückeisBild vergrößern
Lampenfieber kennt er nicht. Guy Braunstein, 1971 in Tel Aviv geboren, im Foyer der Philharmonie. Foto: Thilo Rückeis

Als Konzertmeister saß Guy Braunstein bei den Philharmonikern 13 Jahre in der ersten Reihe. Nun widmet er sich ganz seiner Solokarriere. Eine Begegnung.

Er braucht jetzt erst mal ganz dringend einen Espresso. Sieben Wochen lang hat Guy Braunstein seine Wohnung nicht gesehen, weil er auf Tour war. Tags zuvor stand in Bukarest noch ein Konzert an, bei dem er sowohl als Solist wie als Dirigent auftrat. Um halb vier Uhr morgens ist er aufgestanden und nach Berlin geflogen, wo ihn Daniel Barenboim schon erwartete. Vier Stunden haben sie für ihren Auftritt im Kammermusiksaal geprobt.

Guy Braunstein küsst der Tresenkraft in der Philharmonie-Kantine beide Hände, bevor er den starken Kaffee bestellt, ruft einem Küchenhelfer scherzhafte Bemerkungen auf Arabisch zu, stürzt das kleine Tässchen noch im Stehen herunter – und verschwindet, sorry, vor dem Gespräch noch für eine schnelle Zigarette auf den Raucherbalkon hinterm Instrumentenlager.

Seine wertvolle Ruggieri-Geige, Baujahr 1679, lässt er vertrauensselig beim Interviewer liegen.

Wie immer hat der 42-Jährige Crocs an den Füßen. Seit er vor ein paar Jahren entdeckt hat, wie bequem die Gummischuhe sind, trägt er sie drinnen wie draußen, auch wenn die Berliner Philharmoniker auf Tournee sind. Seit dem Jahr 2000 gehört er zu der Truppe. Claudio Abbado und die Musiker machten den Israeli zum jüngsten Philharmoniker-Konzertmeister aller Zeiten. Damals hatte sich der Geiger bereits eine beachtliche Solokarriere aufgebaut. Als bekannt wurde, dass Kolja Blacher in Berlin aufhören würde, ermutigten Musikerfreunde Guy Braunstein, sich zu bewerben. „Ich bin bis heute davon überzeugt, dass die einen im Tee hatten, als sie mich genommen haben“, sagt er. Denn die Entscheidung, für den Posten vorzuspielen, sei eine ganz egoistische gewesen. „Als Solist hatte ich oft das Gefühl: Ich habe noch nicht erreicht, was ich erreichen könnte. Irgendwann kam mir der Gedanke: Vielleicht verstehe ich die Konzerte von Brahms und Beethoven besser, wenn ich auch ihre Sinfonien spiele, als Orchestermitglied.“

So gesehen, waren die 13 Jahre bei den Philharmonikern eine Art Fortbildungsmaßnahme, bei der sich Guy Braunstein den letzten, entscheidenden Schliff für seine Solokarriere geholt hat. Wenn er sagt: „Ich kann meinen Orchesterkollegen niemals genug danken, dass sie mir die Chance gegeben haben, diese Erfahrungen zu machen“, dann kommt das hörbar aus tiefstem Herzen.

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