Kultur : Rütli ist überall

Kinderfilm mit Herz: „Brücke nach Terabithia“

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Die Werbung schärft’s ein: Der Film sei von den Leuten produziert worden, die auch „Die Chroniken von Narnia“ gemacht haben. In der Tat zeichnen zwei Firmen, die an diesem Megahit beteiligt waren, für „Brücke nach Terabithia“ verantwortlich. Weitere Parallelen: Neuseeland als Drehort, die Flucht von Kindern in eine Fantasy-Welt, lustige und bedrohliche Fabelwesen. Auch kommt in den „Narnia“-Büchern eine Insel Terebinthia vor; die Schriftstellerin Katherine Paterson ließ sich davon zu ihrer Traumwelt Terabithia inspirieren.

Weitere Gemeinsamkeiten? Keine. Anders als das „Narnia“-Spektakel setzt dieser Film auf leise Töne. Tricktechnik ist nur am Rande wichtig; Regisseur Gabor Csupo geht es um glaubhafte Charakterzeichnung, nicht um Überwältigung. Der 11-jährige Jess (Josh Hutcherson) hat sehr reale Probleme zu bewältigen: Seine Eltern sind arm, die pubertierenden Schwestern gehen ihm auf die Nerven, ein paar garstige Mitschüler ärgern ihn. Doch am schlimmsten ist der Terror unter den Mädchen. Eine bullige Schülerin stellt sich vors Klo und verlangt Gebühren; sie nimmt auch schwächeren Mädchen die Schokoriegel weg. Rütli ist überall. Jess findet eine verwandte Seele in Leslie (Anna-Sophie Robb) und erlebt seine erste Romanze. Gemeinsam entdecken sie ein idyllisches Waldstück, das sie Terabithia nennen, und machen es sich in einem Baumhaus bequem. Ein bisschen zu träumen ist gut, gibt der Film zu verstehen, aber Träume helfen langfristig nicht weiter.

„Brücke nach Terabithia“ ist etwas für nicht mehr ganz kleine Kinder, denen man Themen wie Gewalt in der Schule, erste Liebe und Tod zumuten kann. Nichts wirkt konstruiert, alles geschieht beiläufig. Gabor Csupo verwendet natürliche Farben und dezente Musik. Die kleinen Darsteller flirten miteinander und nicht mit der Kamera. Genreübliche Gesangseinlagen oder sprechende Tiere fehlen. Gerade deshalb ist dem Film Erfolg zu wünschen. F. N.

In 17 Kinos; Cinestar Sony-Center (OV)

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