Kultur : Schule ist doof

Hipper Gangster-Rap:  Odd Future im Cassiopeia

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Tricky Kid. Tyler The Creator. Foto: Promo
Tricky Kid. Tyler The Creator. Foto: Promo

Wo die Gangster auch aufschlagen, die Medien sind schon da. Von der „L.A. Times“ bis zur „Süddeutschen Zeitung“ wird der neueste Gangster-Rap-Hype aus Los Angeles gefeiert, von dem sich HipHop-Größen wie Mos Def oder Kanye West die Erneuerung des Genres versprechen. So spielen Odd Future Wolf Gang Kill Them All bei ihrem ersten Deutschlandauftritt im Cassiopeia vor der versammelten Fachpresse, die sich erzählt, wie cool sie von Frontmann Tyler, the Creator im Interview verarscht wurde.

Hier die Zutatenliste für ein Erfolgsrezept: 1. Theatralität. Der DJ ist eine Frau, wichtig gerade wegen der Sexismus- und Homophobievorwürfe. Syd tha Kyd versetzt das Publikum mit wabbelndem Dubstep in Schwingung, bevor Tyler, the Creator und Kollegen die Bühne entern wie ein Überfallkommando. Bariton Tyler schleicht mit aufgerissenen Augen über die Bühne und schüttelt seine Segelohren, während Hodgy Beats sich auf dem DJ-Pult räkelt wie ein gelangweilter junger Gott. 2. Risiko. Die Band schleudert Gratis-T-Shirts raus und holt einen entfesselten Mob auf die Bühne, bis die Security einschreitet. „Kill people, burn things, fuck school“, schallt es noch lange im Chor. Odd Future suchen Momente der Entäußerung, in denen alles auf dem Spiel steht. Vergewaltigungsfantasien sind da nur ein Mittel. Die Gewalt in Raptexten ist ja zunächst immer eine rhetorische. 3. Negation. „I’m a motherfucking paradox / No I’m not“: Das Neue, Aufregende an Odd Future ist, dass sich die Aggression immer auch gegen den Sprecher selbst richtet. Live herrscht musikalisch wie visuell ein überforderndes Nebeneinander, in dem nichts logisch aus dem Vorangegangenen hervorgehen muss.

4. Integrität. Was das Personal nicht schafft, erledigt die Band. Sie sichert dem einzigen Rollstuhlfahrer einen Vorzugsplatz auf der Bühne. Nach außen brüllen Odd Future gegen jede Ordnung an. Nach innen behaupten sie kumpelhafte Kollektivität. Kolja Reichert

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