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Shortlist Deutscher Buchpreis 2017 : In der Weite der Welt

Der Suhrkamp Verlag ist vorn, Berlin auch: Gerhard Falkner, Franzobel, Thomas Lehr, Robert Menasse, Marion Poschmann und Sasha Marianna Salzmann stehen auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Zeit zum Lesen. Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis steht fest.
Zeit zum Lesen. Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis steht fest.Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

So ordentlich und korrekt, wie schon die Longlist war, so ordentlich und korrekt hat die Jury des Deutschen Buchpreises nun die sechs Bücher für die Shortlist ausgewählt: Gerhard Falkner mit seinem Liebesunmöglichkeitsroman "Romeo oder Julia" ist dabei, Franzobel mit seinem historischen Roman über ein Schiffsunglück aus dem Jahr 1816 und die Folgen, "Das Floß der Medusa", Robert Menasse mit seinem Europa-Roman "Hauptstadt Brüssel", Thomas Lehr mit seinem Ehe-, Künstler-, Epochen- und Wissenschaftsroman "Schlafende Sonne", Marion Poschmann mit ihrem Liebes- und Japan-Roman "Kieferinseln" sowie Sasha Marianna Salzmann mit ihrem Familienroman "Außer sich".

Warum nicht Schulze, Zaimoglu, Regener?

Warum nicht Ingo Schulze, könnte man jetzt fragen, nachdem dessen deutsch-deutscher Wende- und Schelmenroman die letzten Tage so geschlossen wie lange keine Neuerscheinung rezipiert worden war? Literarisch vielleicht zu unterkomplex, dieser Roman, sprachlich zu schlicht? Und warum nicht Feridun Zaimoglu, der sich mittlerweile einen Spaß daraus macht, ein typischer Longlist-Autor zu sein? 2006 mit "Leyla", 2008 mit "Liebesbrand", 2014 mit "Isabel", 2015 mit "Siebentürmeviertel". Ist sein Luther-Roman "Evangelio" literarisch zu komplex geraten, seine Sprache, die ja eine Kunstsprache ist, zu anspruchsvoll-fordernd? Ach ja, und Sven Regener? Ist "Wiener Straße" zu lustig? Oder hat Regeners Roman die Welt doch nicht ausreichend "geweitet", was der Longlist als ultimatives Merkmal aller nominierten Romane mit auf den öffentlichen Weg gegeben worden war. Zu wenig europäisch, zu sehr Kreuzbergerisch? Ach, es ist egal, aber..., um es mal mit der einstigen Hamburger-Schule-Band Tocotronic zu sagen. "Aber", das würden vielleicht doch so einige Verlage sagen, die überhaupt nicht gelistet sind, nicht einmal auf der Longlist standen. "Aber", das sagt sicher auch der Suhrkamp Verlag, der mit den Romanen von Poschmann, Salzmann und Menasse gleich drei Titel auf der Shortlist hat (dazu zweimal Hanser, einmal Berlin Verlag) und damit beweist, dass es doch lohnender ist, in Ruhe Bücher zu veröffentlichen als sich vor Gerichten zu verkämpfen.

Berlin gewinnt

Und "aber" sagt sicher auch das literarische Berlin, das endlich mal wieder die größte Streitmacht auf so einer Liste bildet. In den letzten Jahren hatte es doch immer mal wieder Uneinigkeit darüber gegeben, ob Berlin eigentlich noch die Hauptstadt auch der Literatur ist. Und nicht gar, kleiner Scherz, das Nachbarland Österreich, das mit Franzobel und Robert Menasse stark wie nie zu sein scheint. Einer oder eine wird gewinnen: Am Montag, den 9. Oktober wird der mit 25 000 Euro dotierte Preis wie gehabt im Frankfurter Römer zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse verliehen, und ganz sicher wird die Entscheidung eine ordentliche und korrekte sein - und der ausgezeichnete Roman sich zum Bestseller entwickeln. Tsp

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