Kultur : Zungenküsse

Jugendfilm aus Frankreich: „Jungs bleiben Jungs“

Shannon Doyle

Er hat Pickel, eine große Nase und heißt auch noch Hervé: peinlicher Name. Und unsicher ist er, und kann sich nicht ausdrücken. Weiß er doch nicht recht, was er will. Nur ein Mann will er werden, möglichst schnell. Hervé (Vincent Lacoste) ist 14, ein typischer Junge im schlimmsten Alter.

Regisseur Riad Sattouf, 32, hat beim Casting an Pariser Oberschulen keine Models gesucht, sondern „hässliche Entlein mit ungewöhnlichen Merkmalen, die aber natürlich spielen können“. Sattouf ließ die jungen Schauspieler beim Dreh mitreden. Ein Trick aus der Stummfilmkiste half dabei: Bei jeder Probe sollten die Darsteller die Szene zunächst spielen, als wären sie Affen – so lernten sie, ihre Gefühlslage auch ohne Worte zu vermitteln.Hervé und Camel (Anthony Sonigo), sein bester Freund, wirken dann auch sympathisch – gerade in ihrer leicht dümmlichen Art.

Schon der Anfang ist clever. Close-up auf einen Zungenkuss, Hervé und Camel sind baff. Ruppig kommentieren sie: Der Klassenkamerad, der da küsst, ist doch viel hässlicher als sie selber. Was hat der nur, was wir nicht haben? Sie fragen den Küsser, doch der ignoriert sie. Für ihn sind die beiden bloß Loser, die noch kein Mädchen hatten. Als Hervé endlich Glück hat und sich die hübsche Aurore (Alice Trémolières) in ihn verliebt, ist er schlicht überfordert. Er versteht ihre Annäherungsversuche nicht, dann muss er feststellen, dass Mädchen in seinem Alter reifer, in gewisser Weise überlegen sind.

„Jungs bleiben Jungs“ ist rundum gelungen. Die Sets sind treffend gewählt, vor allem die Wohnung Hervés: vollgestopft und etwas schmuddelig, wohnlich, authentisch. Der Schluss bringt weder Tränen noch Party: nur kurz der Wunschtraum eines gewöhnlichen Jugendlichen bei der Fahrt zur Schule. Shannon Doyle

Cinemaxx Potsdamer Platz, Karli, Zoo Palast, OmU im Rollberg

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