ZDF-Drama "Blutgeld" : Die verratenen Hoffnungen der Bluter-Patienten

Das ZDF-Drama "Blutgeld" erinnert an den Skandal der mit HIV verseuchten Bluter-Präparate. Wie der Contergan-Skandal gehört diese Episode zu den schwärzesten Kapiteln der Medizingeschichte im Nachkriegsdeutschland.

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Mit Faktor VIII sollten Bluter wie Ralf (Max Riemelt) ein normales Leben führen können. Dass dabei die Gefahr ein Aids-Infektion besteht, wurde ihnen verschwiegen. Foto: ZDF
Mit Faktor VIII sollten Bluter wie Ralf (Max Riemelt) ein normales Leben führen können. Dass dabei die Gefahr ein Aids-Infektion...Foto: Willi Weber

Für das TV-Drama „Blutgeld“, das vom ZDF an diesem Montagabend ausgestrahlt wird, musste im Grunde nicht viel dazu erfunden werden. Die Wahrheit war schrecklich genug. Tausend Bluter sind in Deutschland gestorben, weil sie in den 1980er Jahren mit Medikamenten behandelt wurden, bei denen eine Verseuchung mit dem Aids-Virus nicht auszuschließen war. Das Präparat Faktor VIII, das wie ein Wundermittel vor den gefährlichen Auswirkungen der Bluterkrankheit schützen sollte, kostete sie das Leben. Gewonnen aus menschlichem Blutplasma wuchs die Gefahr, dass ein mit HIV Infizierter zu den Spendern gehörte, mit der Höhe der Dosierung. Und selbst, als Politik, Medizin und Pharmaindustrie um die Gefahren wussten, wurden die potenziell verseuchten Chargen nicht zurückgeholt. Ob nun aus Profitgier oder weil ansonsten die medizinische Versorgung der Bluter nicht mehr gewährleistet gewesen wäre, wird sich nicht beantworten lassen. Für den Film steht fest: Den Betroffenen wurden die Gefahren bewusst verschwiegen.

Insgesamt 1500 Bluter hatten sich seinerzeit über das Präparat mit HIV infiziert. 400 von ihnen leben heute noch. Einer von ihnen wurde durch den Contergan-Film „Nur eine einzige Tablette“ ermutigt, sich mit seiner Geschichte an die Produzenten des Films zu wenden. Michael Souvignier und Mark Horyna von Zeitsprung Pictures haben sich des Themas angenommen. Herausgekommen ist mehr als ein Betroffenheitsfilm.

Aids galt vor dreißig Jahren als Krankheit von Schwulen und Fixern. Aids- Kranke wurden häufig gesellschaftlich ausgegrenzt. Kai-Uwe Hasenheit (Buch) und René Heisig (Buch und Regie) erzählen die Geschichte der drei fiktiven Brüder Stefan, Thomas und Ralf Seifert, die als Bluter mit dem Medikament behandelt wurden und sich mit dem HI-Virus infizierten. Sie erzählen, wie sich die Menschen im nordrhein-westfälischen Siegburg von ihnen und ihren Familien abwenden, nachdem sich herumspricht, das Stefan nicht allein an einer Lungenentzündung gestorben ist. Sein Bruder Thomas muss seine Physiotherapie-Praxis schließen. Niemand will sich von ihm behandeln lassen. Sein Sohn wird in der Schule gemobbt.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des dritten Bruders. Ralf studiert Jura, ist infiziert, aber noch nicht erkrankt. Die Besetzung mit Max Riemelt ist gelungen. Riemelt strahlt große Sensibilität aus, sein Ralf sorgt sich nicht nur um das eigene Schicksal. Nachdem er von seiner Infektion erfahren hat, verschließt er nicht die Augen vor den Konsequenzen und drängt seinen Bruder zur Offenheit gegenüber dessen Frau und dem Jungen. Ralf ist zudem ein Kämpfer, der nicht aufgibt, den unglaublichen Skandal mit stichhaltigen Beweisen an die Öffentlichkeit zu bringen. Doch genau da liegt das Problem. Die Ärzte wollen nicht reden. Die Pharmaindustrie setzt die stigmatisierten Bluter unter Druck. Eine Entschädigung werde nur gezahlt, wenn alle Betroffenen ihre Rechte abtreten. Wohlwissend, dass die meisten Infizierten einen langen Gerichtsstreit nicht lebend überstehen werden. Und welcher Bluter könne schon beweisen, dass er sich gerade mit Faktor VIII infiziert habe, wird zynisch argumentiert. Die Medizin weiß inzwischen, wie man die Präparate sicher sterilisiert. Ob sich an der Haltung von Pharmaindustrie und Versicherungswirtschaft etwas geändert hat, kann der Film nicht sagen.

Die bittere Medizin, die dem Zuschauer mit „Blutgeld“ verabreicht wird, haben Hasenheit und Heisig, der selbst Mediziner war, immerhin etwas versüßt. Ralf lernt die junge Ärztin Martina (Lavinia Wilson) kennen, die ihn in seinem Kampf gegen die Verantwortlichen des Skandals unterstützt – und die sich trotz HIV-Infektion nicht scheut, ihm näherzukommen.

Im Anschluss zeigt das ZDF „Blutgeld – Die Dokumentation“. In dem Beitrag von Andrea Klüting tritt anonym auch einer der infizierten Brüder auf, von deren Geschichte der Spielfilm inspiriert wurde.

„Blutgeld“, ZDF, Montag, 20 Uhr 15. Danach „Blutgeld – Die Dokumentation, 21 Uhr 45.

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