Katholische Ärzte : Fanatismus mit Globuli

Ist extremer Katholizismus therapierbar? Diese Frage stellt sich zum Beispiel bei einem Homöopathen, der Homosexualität heilen möchte.

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Helmut Schümann
Helmut Schümann.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Über die Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln lässt sich trefflich streiten. Die einen sagen so („Also, ich hab’ schon alles genommen, nix hat geholfen, aber die Kügelchen“), die anderen so („Ich merk gar nix“). Fest steht aber, dass der Umgang mit der Homöopathie nicht automatisch klüger macht. Wie sonst könnte Doktor Gero Winkelmann, Homöopath aus Überzeugung und Unterhaching, auf einer Webseite so viel Unsinn verbreiten? Da steht zum Beispiel, dass Kondome keinerlei Schutz vor Aids bieten und dass überhaupt jegliche künstliche Verhütung verderblich ist. Der Verdacht liegt nahe, dass – oh, mein Gott! – unser aller Ratzinger dahintersteckt, trifft aber nur einen Teil der Wahrheit. Doktor Gero Winkelmann steht dem „Bund katholischer Ärzte“ vor, einem Verband gläubiger Medizinmänner, also so eine Art Schamanen- Vereinigung, der inhaltlich sehr nah an die radikal-religiösen Positionen amerikanischer Fundamentalisten rückt. Also nicht Halbgötter in Weiß, sondern eher Taliban in Weiß, im Auftrag von Al, äh, von Va Tikan. Ist so etwas eigentlich heilbar?

Die Frage nach der Therapierbarkeit des extremen Katholizismus stellt sich, weil Doktor Gero Winkelmann sich eine ähnliche Frage auch schon gestellt hat. Er hat sie aber beantwortet und bietet auf dieser Webseite „Therapieansätze gegen homosexuelle Neigungen“ an. Nun hat die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität reichlich spät, aber längst, 1993 nämlich, aus dem Katalog der Krankheiten gestrichen, doch Doktor Gero Winkelmann und seine Katholkranken finden das offensichtlich gar nicht gut so. Er wolle aber, so sagt der Doktor Seltsam, „niemanden in eine kranke Ecke drängen, verletzen oder bedrängen“, sondern nur „keine akzeptable Hilfsmöglichkeit verschweigen“. Das Mittel Platinum, das der Mann anzuwenden gedenkt, macht laut Homöopathen den Menschen distanziert, hochmütig, kalt und gefühllos. Auch wird es bei Hunden eingesetzt, besonders bei dominanten und arroganten Hunden. Das ganze nennt sich „Konstitutionsbehandlung“. Winkelmann ist aber nicht alleine durchgeknallt. Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner hat gerade dem Religionslehrer David Berger die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen, weil Berger sich als schwul zu erkennen gegeben hat. Nochmal also: Ist Katholizismus eigentlich heilbar oder gilt immer noch das alte Kürzel DBDDHKP? Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen – auch Globuli nicht.

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