PORTRÄT MATHIAS BRODKORB SPD-POLITIKER: : „Begeistern, mitnehmen, zuhören“

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Mathias Brodkorb will die Lehrer in Mecklenburg- Vorpommern „begeistern, sie mitnehmen, ihnen zuhören“. Denn unter Druck, postulierte der designierte Bildungsminister des Landes am Wochenende, machen sie einfach keinen guten Unterricht. Bisher fiel es manchen seiner politischen Wegbegleiter allerdings schwer, sich von Brodkorb mitreißen zu lassen. Der 34 Jahre alte Intellektuelle, der mit der Berufsbezeichnung „Philosoph“ für den Landtag kandidierte, beeindruckte durch sein breites Wissen, schreckte aber manchen durch seine forsche Zunge.

Bundesweit in die Medien geriet Brodkorb als geistiger Vater von „Storch Heinar“. Die Comic-Figur veräppelt seit Jahren auf der ebenfalls von Brodkorb gegründeten Internetplattform „Endstation- Rechts“ den Rechtsextremismus und die Neo-Nazis im Land. Zuletzt hing im Wahlkampf das Bild des schrägen Vogels unter fast jedem NPD-Plakat im Land. Über die Rechtsextremisten muss man lachen dürfen, findet Brodkorb. Wobei er das Themenfeld durchaus ernsthaft beackert. Unter anderem gab er 25 Jahre nach dem „Historikerstreit“ den Sammelband „Singuläres Auschwitz?“ heraus. Wegen seines Engagements gegen Rechts setzte ihn die Zeitschrift „Neon“ 2003 auf ihre Liste der 100 wichtigsten Nachwuchs-Deutschen.

Brodkorb wurde 1977 in Rostock geboren. Zur Zeit der Wende lebte er allerdings in Österreich, der Heimat seines Vaters. Zurück in Mecklenburg-Vorpommern begeisterte sich Brodkorb bereits als Schüler für die Philosophen. Anfangs noch für Karl Marx, weshalb er mit 17 in die PDS eintrat. Mit 20 wechselte er zur SPD, die intellektuellen Vorbilder fand er unter anderem bei den alten Griechen. Folgerichtig studierte er Philosophie und Altgriechisch. Das beendete er erst nach acht Jahren als Magister, denn seit 2002 saß er bereits als einer der jüngsten Abgeordneten im Schweriner Landtag. Intensiv beeinflusste er als hochschulpolitischer Sprecher die Neuordnung der Universitäten im Nordosten.

Begeisterung hat die Bildungslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern durchaus nötig. Die Quote der Schulabbrecher liegt bundesweit am höchsten. Den Lehrerkollegien mangelt es an Nachwuchs. Junge Lehrer wechseln lieber in die westlichen Bundesländer, wo ihnen mehr Geld und die Verbeamtung geboten werden. Damit kann Brodkorb voraussichtlich nicht aufwarten. Dafür aber mit Begeisterung. Andreas Frost

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