• PORTRÄT RADHIA NASRAOUI RECHTSANWÄLTIN, TUNESIEN:: „Da wusste ich, dass ich etwas tun muss“

PORTRÄT RADHIA NASRAOUI RECHTSANWÄLTIN, TUNESIEN: : „Da wusste ich, dass ich etwas tun muss“

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Heute kann sich Radhia Nasraoui in ihrer Heimatstadt Tunis wieder frei bewegen. Auf der Straße kommen immer wieder Leute auf sie zu, sie danken der Rechtsanwältin für ihren Einsatz für Menschenrechte und gegen Folter in Tunesien. Unter der Herrschaft des Diktators Ben Ali trauten viele sich nicht, Nasraoui in der Öffentlichkeit zu grüßen – aus Angst vor dem Regime.

Die heute 58-jährige Juristin kämpft seit mehr als 30 Jahren für Gerechtigkeit in Tunesien und vertritt Opfer von staatlicher Gewalt. Unter der musste auch sie selbst leiden: Das Regime hinderte sie an der Ausübung ihres Berufs, Polizisten schlugen sie zusammen, warfen sie ins Gefängnis, beschatteten sie. Doch die Juristin und Mutter von drei Kindern gab nicht auf. 2003 gründete sie die Organisation ALTT, die gegen Folter kämpft und deren Opfer unterstützt.

Für ihr Engagement wurde Nasraoui gestern in Berlin mit dem Roland-Berger-Preis für Menschenwürde ausgezeichnet – gemeinsam mit zwei weiteren wichtigen Akteuren des Arabischen Frühlings: dem von Anwalt Gamal Eid gegründeten „Arabic Network for Human Rights Information“ in Kairo, das sich für Meinungs- und Pressefreiheit einsetzt, und dem syrischen Journalisten Mazen Darwish, der sich in seinem Land ebenfalls für diese Ziele mit dem „Syrian Center for Media and Freedom of Expression“ starkmacht. Darwish konnte nicht an der Preisverleihung teilnehmen – das Regime hatte seine Ausreise verhindert.

Nasraoui, so hieß es in der Würdigung der Roland-Berger-Stiftung, habe zusammen mit ihren Mitstreitern der ALTT „entscheidend zum Gelingen des ,Arabischen Frühlings’ und zum Schutz der Menschenwürde beigetragen“. Die Stiftung lobt den Preis zum vierten Mal aus, er ist mit einer Million Euro dotiert. Das Geld soll in Tunesien, Ägypten und Syrien für Projekte genutzt werden, wie genau es verteilt wird, ist noch offen. „Im Fall von Frau Nasraoui könnte das Geld dazu verwendet werden, die Infrastruktur für ihre Organisation zu verbessern und Opfer zu unterstützen“, sagte Stiftungsgründer Roland Berger in Berlin.

Radhia Nasraoui verteidigte schon als Studentin Opfer staatlicher Gewalt vor Gericht. „Als ich die Folgen der Folter auf den Körpern der Opfer sah, wusste ich, dass ich etwas tun muss“, sagte sie. Mit ihrer Arbeit aufzuhören, kann sie sich nicht vorstellen. Es gebe noch immer Folter in Tunesien. „Ich werde weiterkämpfen“, verspricht sie. Jahel Mielke

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