POSITIONEN : Brötchen verdienen statt Brötchen vergleichen

Wir wollen das Urheberrecht nicht abschaffen.

Christopher Lauer
Foto: Mike Wolff
Foto: Mike Wolff

Wovon sollen Künstler leben? Das wird in Zusammenhang mit der Urheberrechtsdebatte häufig gefragt. Dabei wird oft auf die Piratenpartei geschimpft und behauptet, wir wollten das Urheberrecht abschaffen. Ein zentrales Element in dieser Debatte scheint nicht anzukommen. Also wiederhole ich es, so wie Piraten quer durch die Republik seit Wochen nicht müde werden zu wiederholen: Die Piratenpartei möchte nicht das Urheberrecht abschaffen. Noch mal: Die Piratenpartei möchte nicht das Urheberrecht abschaffen. Und: Die Piratenpartei möchte nicht das Urheberrecht abschaffen.

Wir wollen das Urheberrecht den technischen Realitäten des 21. Jahrhunderts anpassen. Das volle Urheberrecht bleibt und wird auf zehn Jahre statt wie bisher 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers verkürzt. Urheber bekommen die Verwertungsrechte an ihren Werken automatisch nach 25 Jahren zurück, was sie gegenüber Inhalteanbietern stärkt. Werkformen, die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht existierten, müssen zwischen Urheber und Inhalteanbieter nachverhandelt werden. Wenn heute also so etwas wie das Internet erfunden werden würde, könnten die Urheber nachverhandeln. Geschützte Werke sollen an Schulen und Bildungseinrichtungen kostenlos genutzt werden können. Das Filesharing für den Privatgebrauch soll entkriminalisiert werden. Das heißt, wir möchten nicht, dass Inhalteanbieter potenzielle Kunden abmahnen. Die Abmahnindustrie nützt weder den Urhebern noch den Kunden noch den Inhalteanbietern etwas.

Außerdem bleibt die Frage: Wie viel Überwachung sind die Anbieter von Inhalten bereit zu akzeptieren, um das private Kopieren von Büchern, Filmen und Musik zu ahnden? Die Forderung nach einer weiteren Kriminalisierung von Filesharing ist am Ende des Tages immer eine Forderung nach mehr Kontrolle und Überwachung.

Aber, und das ist mittlerweile klar, es gibt Bedenken, die man ernst nehmen muss. Schließlich geht es um die Lebensgrundlage der Kreativen. Urheber, Inhalteanbieter und Politik müssen konstruktiv mit diesen Bedenken umgehen und eine gemeinsame Lösung anstreben. Es ist aber wenig konstruktiv, wenn man immer wieder kolportiert, die Piratenpartei wolle das Urheberrecht abschaffen. Das schafft teils diffuse, teils sehr konkrete Ängste.

Frank Schirrmacher forderte in einem bemerkenswerten Beitrag zur Debatte: „Schluss mit dem Hass.“ Zu Recht. Wie viele Gastkommentare und Meinungsstücke wollen wir eigentlich noch schreiben, bis wir aufeinander zugehen? Wir waren uns doch eigentlich schon einig, dass es sinnvoller ist, miteinander zu reden, als das Internet mit Brötchen zu vergleichen. Es ist übrigens kein Denkfehler, wenn man sagt: „Die technischen Gegebenheiten des Internets stehen für uns wie Naturgesetze.“ Wenn man die technischen Variablen des Internets verändern würde, wäre es eben nicht mehr das Internet. Es gibt Naturkonstanten wie die Elementarladung oder die Gravitationskonstante. Könnte und würde man die ändern, wäre Leben, so wie wir es kennen, auch nicht mehr möglich.

Bevor wir also das Internet wieder mit Brötchen vergleichen, hier eine Antwort auf die Frage, wovon denn ein Künstler leben soll. Von seinen Erzeugnissen natürlich. Für die bekommt er Geld. Er sollte sich also mit seinem Inhalteanbieter damit auseinandersetzen, auf welchen Plattformen seine Werke legal zum Kauf angeboten werden. Am Rande sei noch auf eine Studie von Robert Hammond von der North Carolina State University hingewiesen, die zu dem Schluss kommt, dass Filesharing bei Musik dazu führt, dass mehr Alben verkauft werden. Oft gebe ich die Namen von Künstlern, die Aufrufe unterzeichnen oder Debattenbeiträge verfassen bei iBooks oder Amazon ein. Nur selten finde ich dort ihre Werke zum Kauf. Bei The Pirate Bay findet man sie allerdings auch kaum. Spätestens jetzt würde ich als Urheber meinen Inhalteanbieter fragen, warum das so ist.

Der Autor ist Mitglied der Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus.

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