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Tickende Zeitbomben : Warum junge Männer Amok laufen

17.12.2012 16:25 Uhrvon
In Newtown lief ein 20-Jähriger Amok und tötete 27 Menschen. Es gibt viele solcher Amokläufe. Immer sind die Täter junge Männer.Bild vergrößern
In Newtown lief ein 20-Jähriger Amok und tötete 27 Menschen. Es gibt viele solcher Amokläufe. Immer sind die Täter junge Männer. - Foto: Reuters

Immer wieder sind die Tatorte Schulen, immer sind die Täter männlich: Walter Hollstein beschreibt, warum junge Männer Amok laufen und macht ein gesellschaftliches Problem mit dem "überforderten Geschlecht" aus.

Erfurt, Nickle Mines, Emsdetten, Tuusula und Kauhajoki. Winnenden oder Newtown – das sind Stätten der in ihrer Schrecklichkeit eindrücklichsten Amokläufe der vergangenen zehn Jahre. Auffällig ist zweierlei: die Tatorte sind allesamt Schulen, die Täter allesamt junge Männer. Um Geschehenes zu verstehen, sollten diese beiden Konstanten von Amokläufen zusammenhängend betrachtet werden. Schule ist für viele Jungen in den letzten Jahren zu einem Horrortrip geworden.

Sie fühlen sich dort unwohl, nicht ernst genommen, schlecht behandelt und schlechter benotet als Mädchen. Der Hamburger Lehrer Frank Beuster spricht von „Jungenkatastrophe“ und dem „überforderten Geschlecht“, die amerikanische Philosophin Christina Hoff Sommers, die sich selbst als kritische Feministin bezeichnet, vom Schul-„Krieg gegen die Jungen“.

Klar: Es gibt nach wie vor gescheite, hochbegabte und fleißige Jungen, die ihren Weg gehen. Aber eben: Die Zahl der Problemjungen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Legastheniker, Kinder mit dem ADHS-Syndrom, Schulversager oder Frühkriminelle sind fast ausschließlich Jungen. Der 18-jährige Amokläufer von Emsdetten bringt es in seinem Abschiedsbrief lakonisch auf den Begriff: „Das Einzigste, was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe, war, dass ich ein Verlierer bin.“ Da liegt dann Rache als „Ausweg“ nahe.

Die Schule ist für viele Jungen inzwischen zu einem Ort geworden, an dem ihre Bedürfnisse nicht mehr wahrgenommen werden. Eine Berliner Mutter schilderte unlängst in einer Sonntagszeitung die Schulerfahrungen ihres sechsjährigen Sohnes: Die Jungen mussten im Fach Deutsch Bienengeschichten lesen, im Kunstunterricht Schmetterlinge malen und beim Sport Schleiertänze aufführen. Da die Jungen dann ihren Unmut im Unterricht kundtaten, seien sie ständig vor der Tür oder im Sozialraum gelandet respektive mit Schulverweisen nach Hause gekommen. Jungen wachsen heute in einem engen Frauenkäfig von Müttern, Omas, Tanten, Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen auf.

Sie werden mit weiblichen Werten, Erziehungszielen, Verhaltensmustern, Erwartungen und Anpassungsforderungen zugeschüttet; aber sie sind angehende Männer, möchten und müssen wissen, was denn nun eigentlich ein Mann konkret ist, was Männlichkeit bedeutet und wie sie gelebt werden kann.

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