Brandenburger Städte beim ADFC-Fahrrad-Klima-Test 2014 : Ketzin und Potsdam radeln vor

Die ADFC-Umfrage zum Rad-Klima 2014 zeigt: Die Brandenburger sind mäßig zufrieden mit der Fahrrad-Qualität ihrer Städte.

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Zufriedene Radfahrer vor dem Brandenburger Tor. Potsdam bekam im Gegensatz zu Berlin als Fahrradstadt gute Noten. Im brandenburgischen Vergleich liegt Ketzin ganz vorne. Die Stadt kam auch im bundesweiten Vergleich auf Platz zwei. Besonders unzufriedene Radler finden sich hingegen in Frankfurt (Oder) und in Falkensee. Foto: Eric Martin/Le Figaro Magazine
Zufriedene Radfahrer vor dem Brandenburger Tor. Potsdam bekam im Gegensatz zu Berlin als Fahrradstadt gute Noten. Im...Foto: Martin/Le Figaro Magazine/laif

„Der Schüler zeigte eine befriedigende Leistung“ - so müsste man es wohl formulieren, wenn Brandenburg ein Zeugnis in Sachen Fahrrad-Qualität ausgestellt bekäme. Dies geht jedenfalls aus den am Donnerstag vorgestellten Ergebnissen der Fahrrad-Klima-Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hervor, an dem sich im vergangenen Jahr 2906 Brandenburger in 19 Kommunen beteiligt hatten. Beantwortet wurden 27 Fragen, bei denen Noten von eins bis sechs vergeben werden konnten.

Spitzenreiter ist dabei Ketzin im Havelland: In der Kategorie der Städte mit unter 50 000 Einwohnern schaffte es die Kommune mit einer Gesamtnote von 2,2 auf den zweiten Platz bundesweit. 88 Einwohner hatten sich an der Umfrage beteiligt, als besonders positiv schätzten sie unter anderem die „Erreichbarkeit des Stadtzentrums“ ein (1,3). Vor allem in besonders kritischen Punkten konnte die Kommune gut abschneiden: Für den „Winterdienst auf den Radwegen“ vergaben die Ketziner eine 1,6, für die „Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen“ eine 1,7. Unzufriedenheit herrscht hingegen bei der „Mitnahme von Rädern in den Öffentlichen Nahverkehr“: Hier erhielt Ketzin nur die Note 4,6.

Potsdam schrammt am Siegertreppchen knapp vorbei

Bei den größeren Städten gehört die Landeshauptstadt trotz einer eher durchschnittlichen Gesamtwertung von 3,4 dennoch zu den fahrradfreundlichsten Kommunen Brandenburgs. Im bundesweiten Vergleich verpasste Potsdam nur knapp das Siegertreppchen der Städte zwischen 100 000 und 200 000 Einwohnern und landete auf Platz vier. Damit konnte die Kommune ihren Rang der letzten ADFC-Umfrage von 2012 halten.

Insgesamt 802 Potsdamer - fast doppelt so viele wie 2012 - gaben ihrer Stadt vor allem in den Punkten „Zügiges Radfahren“ (2,3) und „Öffentliche Fahrräder“ (2,4) gute Noten; Letzteres dürfte auf die 24 in der Stadt verteilten Stationen des Radleih-Systems „Nextbike“ zurückzuführen sein. Mit 4,1 wurde die „Mitnahme von Rädern in den Öffentlichen Nahverkehr“ ähnlich schlecht bewertet wie in Ketzin. Wenig überraschend ist die Wertung zum Thema „Fahrrad-Diebstahl“: Eine 4,8 vergaben die Potsdamer hier, in Berlin liegt der Wert sogar bei 5,1. Beide Städte gelten als Fahrraddieb-Hochburgen.

Fahrraddiebstahl und Baustellen sorgen für Ärger

19 brandenburgische Städte haben sich an der aktuellen ADFC-Umfrage beteiligt, 2012 waren es nur sieben gewesen. Potsdam liegt dabei zusammen mit Wusterhausen/Dosse und Treuenbrietzen (alle mit der Gesamtnote 3,4) auf Platz fünf der fahrradfreundlichsten Städte in der Mark, gut schnitten vor allem Oranienburg und Schwedt (beide 2,9) sowie Hennigsdorf (3,1) ab. Im Vergleich zu anderen Bundesländern haben in Brandenburg verhältnismäßig wenige Kommunen am Rad-Klima-Test teilgenommen, Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen mit über 140 Städten.

Mit einer Gesamtnote von 4,3 ist Frankfurt (Oder) das Schlusslicht in Brandenburg, gefolgt von Falkensee (4,2) und Brandenburg an der Havel sowie Teltow (beide 4,1). Auch in Frankfurt wird der „Fahrraddiebstahl“ (5,6) sowie die „Führung an Baustellen“ (5,0) beklagt, letzterer Punkt ist auch in Brandenburg (4,9) Falkensee (4,6) ein häufiges Ärgernis.

Berlin rutscht ab, Münster wie immer vorne

Im Vergleich zur Hauptstadt steht Brandenburg ganz gut da: Im Städteranking des ADFC landete Berlin im unteren Viertel der Tabelle (Der Tagesspiegel berichtete) auf Platz 30 von 39 der Städte mit mehr als 200 000 Einwohnern. Beim Thema „Zugeparkte Radwege“ attestierten die 3841 Umfrage-Teilnehmer aus Berlin eine satte 5,3, nur Hamburg steht noch schlechter da. Die Spitzenposition im Gesamt-Ranking nahm wie gewohnt Münster mit der Bestnote 2,5 ein, Wuppertal und Göttingen wurden vom ADFC als die großen „Aufholer“ in Sachen Radverkehrsentwicklung geehrt.

Dennoch betonte ADFC-Geschäftsführer Burkhard Stork, dass selbst bei den Tabellenführern durchschnittliche Werte dominieren. Viele der Ergebnisse seien bedenklich: „Bei der Frage, ob man sich als Radfahrer sicher fühlt, ergab sich eine Gesamtnote von 3,8, in Großstädten sogar nur 4,1.“ Dies sei alarmierend, da sich an der Umfrage vor allem erfahrene Intensiv-Radler beteiligt hatten. „Wenn sich schon diese Gruppe nicht sicher fühlt, wie sollen wir dann andere wie Familien mit Kindern und ältere Menschen für das Radfahren begeistern?“

Der vom Bundesverkehrsministerium geförderte Rad-Klimatest wurde bereits zum sechsten Mal durchgeführt und ist laut dem ADFC ist die größte Umfrage dieser Art weltweit. Rund 100 000 Radfahrer aus insgesamt 468 Städten hatten ihre Stimme für die Umfrage abgegeben. Die Ergebnisse und eine interaktive Karte finden sie unter: www.adfc.de

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