24 Tage nach der US-Wahl : The Art of the Carrier Deal

Mit Drohungen und Steuererleichterungen erreicht Trump, dass eine US-Firma, die nach Mexiko gehen wollte, die Hälfte der Jobs in Indiana belässt. Eine Analyse.

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Siegesparade im Carrier-Betrieb in Indiana: 1100 Jobs gerettet.
Siegesparade im Carrier-Betrieb in Indiana: 1100 Jobs gerettet.Foto: AFP

Firmen wie Carrier gehörten zu Donald Trumps Lieblingsfeinden bei seinen Wahlkampfauftritten. Der Hersteller von Kühl- und Heizanlagen, der 2100 Arbeiter in Indiana beschäftigt, hatte angekündigt, dass er die zwei Betriebe schließen und die Herstellung nach Mexiko verlagern werde - die Produktion in den USA sei zu teuer. "Ist doch ganz einfach", hatte Trump damals jubelnden Anhängern erklärt. "Da muss ein Präsident zum Telefonhörer greifen."

7 Millionen Dollar Steuervergünstigungen

Nun verkündet Trump einen Sieg. Carrier belässt die zwei Betriebe in Indiana, allerdings nur mit halbierter Belegschaft: 1100 Arbeitsplätze. Im Gegenzug erhält die Firma sieben Millionen Dollar Steuererleichterungen. So viel ist offiziell. Manche Medien fragen freilich, was da noch alles vereinbart wurde, um diesen Ausgang zu erreichen. Schließlich rühmt sich Donald Trump, niemand beherrsche "The Art of the Deal" - so der Titel seines Bestsellers ("Die Kunst des Geschäftsabschlusses") - so meisterlich wie er.

Trump habe mit Drohungen und finanziellen Anreizen gearbeitet, berichtet die "New York Times". Carrier ist ein Tochterunternehmen des Konzerns United Technologies. Trump habe United Technologies gedroht, ihnen Staatsaufträge im Wert von fünf bis sechs Milliarden Dollar zu entziehen, wenn sie die Carrier-Jobs nach Mexiko verlagern. Da sei es dann attraktiver gewesen, auf diese Einsparungen zu verzichten - zumal der Staat Indiana die Modernisierung der Carrier-Produktionsanlagen mit Steuervergünstigungen versüßt.

Vize Mike Pence verhandelte, der Ex-Gouverneur von Indiana

Und wer führte die Verhandlungen für Trump? Vizepräsident Mike Pence, der bisherige Gouverneur von Indiana. Der habe als Gouverneur gar nicht so laut gegen die beabsichtigte Jobverlagerung protestiert wie die Demokraten in Indiana, monieren die progressiven Kräfte. Das hilft ihnen aber nichts. Trump und Pence ließen sich am Donnerstag bei einem Besuch in einem der Carrier-Betriebe in Indiana als Retter von Arbeitsplätzen feiern.

Es ist der Auftakt einer "Victory"- und "Thank you"-Tour durch die Staaten, die das Gespann Trump/Pence gewonnen hat. Sie wollen sich bei den Wählern dort bedanken. Und den Siegesrausch auskosten. Die Ehrenrunde beginnt mit einer geschickten Inszenierung von "Versprochen - gehalten".

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Bernie Sanders: Trump kungelt mit Konzernen 

Der Demokrat Bernie Sanders kritisierte Trumps Vorgehen. Hier zeige sich, dass Trump in Wahrheit die Interessen der Konzerne im Blick habe, nicht die der Arbeiter, schrieb der frühere Präsidentschaftskandidat in der "Washington Post". Im Wahlkampf habe Trump versprochen, dass er Carrier zwingen werde, alle 2100 Jobs in den USA zu behalten und die Firma anderenfalls mit einer Strafsteuer für die Verlagerung von Arbeitsplätzen belegen werde. Nun werde weniger als die Hälfte der Jobs gesichert und dieser Deal auch noch mit staatlichen Vergünstigungen versüßt. Im Endeffekt sei dies kein Erfolg Trumps. Sondern umgekehrt habe ein Konzern gezeigt, wie er Trump zum Einknicken bringe. Das werde Schule machen, warnt Sanders.

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