Politik : ANDREAS BAUM

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Andreas Baum. Piraten-Fraktionschef in Berlin. Fotos: Rückeis/Spiekermann-Klaass/Schneider
Andreas Baum. Piraten-Fraktionschef in Berlin.Fotos: Rückeis/Spiekermann-Klaass/Schneider

Auf den Piraten ruht Hoffnung, nicht weniger als die Hoffnung auf eine neue Linke. Doch Andreas Baum, der Erste unter Gleichen der Fünfzehn, die bald in das Berliner Abgeordnetenhaus einziehen werden, sagt von sich: „Ich bin nicht links.“ Den Bürger bevormunden, besser als er selbst wissen wollen, was für ihn gut ist – so sieht er die Linke. Geburtstagsgrüße an Fidel Castro, so eine Idee stammt aus einer Welt, in der Baum sich fremd fühlt.

Und doch: Viele Piraten verstehen sich als links, und vieles, was die Partei erreichen will, darf wohl als links gelten, vom bedingungslosen Grundeinkommen über eine großzügige Flüchtlingspolitik bis zum Rauschkundeunterricht für alle in der Schule. Baum weiß das, und er stört sich nicht daran. Erstens hält er Links und Rechts, diese simple Zweiteilung, für überholt, und zweitens will auch er, dass die Starken für die Schwachen einstehen – da findet es sich, das linke, solidarische Lebensgefühl. Sozial, aber liberal, so nennt sich Andreas Baum.

Er sagt, er sei in die Politik gekommen, weil sein kindlicher Glaube daran, Autoritätspersonen würden ihre Sache schon gut machen, irgendwann

dahinbröckelte. Doch erst die Piraten haben ihn

parteipolitisch aktiv werden lassen. Vor fünf Jahren hat er die Partei in Deutschland mitgegründet, nun steht er im Rampenlicht, wo er seine Politik sehen möchte, aber nicht seine Person. Dass er

Eishockey und sein Rennrad liebt, hat er einmal

erzählt, nun ist es in der Welt und nicht mehr zurückzuholen. Umso vorsichtiger ist Baum mit dem, was noch privat ist. Wo er seine Abende verbringt, ob es einen Menschen an seiner Seite gibt, das ist von ihm nicht zu erfahren. Es passt dazu, wie die Piraten mit Daten umgehen wollen – öffentlich machen, was politisch ist, schützen, was privat bleiben soll.

Nach Berlin kam Baum, der aus Kassel stammt, vor acht Jahren, weil – klar – die Stadt so spannend ist. Er hat auch einmal in Siegen studiert, ein halbes Semester lang, dann verließ er die Uni ohne Bedauern. In Berlin gründete er gemeinsam mit einem Freund eine Firma. Während der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland programmierten sie Animationen für Webseiten: echte Spielszenen,

digital nachgestellt, ihre Kunden sparten eine Menge Lizenzgebühren. Baum verdiente ordentlich, der Fußball-Weltverband Fifa machte keinen nennenswerten Ärger. „Manche Sachen muss man einfach mal machen, statt Angst zu haben, was alles passieren könnte“, diesen Schluss zog Baum.

Er war Chef von mehr als zehn Mitarbeitern, aber er sagt, er habe vor allem Teil des Teams sein wollen. Lehrreich sei es dennoch gewesen, Kollegen entlassen zu müssen, zu erfahren, dass manche Zusammenarbeit, manches Projekt nur auf Zeit besteht.

In den vergangenen Jahren hat er als Industrieelektroniker gearbeitet, ein Bürojob, er arbeitete daran, das technische Rückgrat des Internets stabil zu

halten. Nun hat er seinen Job gekündigt, in den kommenden Jahren soll sich sein Leben um die

Politik drehen. Baum wird viele Gelegenheiten

haben, Hoffnungen zu erfüllen – und vielleicht noch mehr, sie zu enttäuschen. Karin Christmann

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