Bettina Wulff : Die etwas andere First Lady

Bettina Wulff stand für ein modernes Familienbild – Kinderlachen im Schloss Bellevue ist wohl erst mal Geschichte.

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Frau am Steuer. Mit Bettina Wulff zog eine Frau ins Schloss Bellevue ein, die sich als alleinerziehende Mutter durchs Leben geschlagen hatte, wie ein Model aussah, sportlich war und ein Tattoo trug, über das sie nicht reden wollte.
Frau am Steuer. Mit Bettina Wulff zog eine Frau ins Schloss Bellevue ein, die sich als alleinerziehende Mutter durchs Leben...Foto: dpa

Beim Aufbruch zurück von Berlin nach Großburgwedel saß Bettina Wulff am Steuer des Familienwagens. Am Ende der qualvollen Affäre gab es doch noch gute Worte für die 38-Jährige, die als jüngste First Lady angetreten war, das Schloss Bellevue zu entstauben. Das war sicher nicht nur als Ausgleich dafür gemeint, dass Bettina Wulff in den letzten Wochen mehr aushalten musste, als es Nichtpolitikern zumutbar ist, und dabei am Ende trotz allem eine souveräne Figur gemacht hat. Als ihre Welt noch in Ordnung war, wurde sie vom „Stern“ mal als „coolste First Lady, die das Land je hatte“ gefeiert. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel begegnete ihr mit auffallender Herzlichkeit – und würdigte Bettina Wulffs Einsatz nach dem Rücktritt ihres Mannes.

Zwar hat die PR-Fachfrau ihrem Mann nicht helfen können, sich besser aus der Affäre zu ziehen. In ihrer Zeit als Erste Frau des Landes hat sie aber durchaus eigene Akzente gesetzt und ein sichtbares Gegengewicht zum demografischen Wandel des Landes gesetzt, in dem die Menschen immer älter werden. Als Mutter kleiner Kinder hatte sie einfach einen ganz anderen Blick auf die jüngsten Bürger im Staate, die ihr besonders wichtig waren.

Die Causa Wulff
Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das Büro mit Mitarbeitern geht.Weitere Bilder anzeigen
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04.03.2012 21:00Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das...

Schon am Vorabend der Bundesversammlung, die Christian Wulff im Sommer 2010 zum Bundespräsidenten wählte, hatte Angela Merkel gesagt, sie stelle es sich schön vor, wenn ein Kinderlachen durchs Schloss Bellevue geht. Da hatte Bettina Wulff genau hingehört. Das Schloss in der Folge für möglichst viele Kinder zu öffnen, gehörte zu ihren wichtigsten Missionen, schließlich ist sie selber Mutter kleiner Kinder. Als solche erlebte sie jeden Tag, was in Schulen und Kindergärten los ist, und konnte sich entsprechend einbringen. Sie kümmerte sich um frühkindliche Bildung, um Demokratieschulung in Kindergärten, um die Verbesserung der Lebensbedingungen von sozial benachteiligten Müttern. Für viele war sie eine klassische Repräsentantin der Generation Patchworkfamilie und schon durch ihre eigene Biografie eine gute Anwältin für Kinder. Auch diese Ausrichtung der Arbeit einer First Lady ist jetzt erst einmal abgerissen. Es wird wohl eine Weile dauern, bis Jugend wieder gefragt ist in diesem Amt.

Wahl und Vereidigung des Staatsoberhauptes
Die Neuen im Schloss Bellevue. Nach der Vereidigung und Christian Wulffs erster Rede als Bundespräsident ist das Ehepaar im Schloss Bellevue eingetroffen. Wir zeigen Eindrücke vom Tag der Vereidigung und von der Wahl.Weitere Bilder anzeigen
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30.06.2010 08:29Die Neuen im Schloss Bellevue. Nach der Vereidigung und Christian Wulffs erster Rede als Bundespräsident ist das Ehepaar im...

Auch sie hat Fehler gemacht. Modeunternehmen buhlen normalerweise um Stars und werben damit, wenn diese ihre Kleider tragen. Dass eine First Lady sich auf dieses Spiel nicht einlassen darf, war ihr nicht klar oder nicht klargemacht worden. Noch im November lobte die „Bunte“ sie für ihr Abendkleid eines deutschen Herstellers.

Am Ende dankte Christian Wulff seiner Frau für den Rückhalt, den sie ihm und den Kindern gegeben habe. Als Mutter war sie in den vergangenen Wochen wohl sehr gefordert. Was es für Kinder bedeutet, die sich jeden Tag mit ihren Kameraden auseinandersetzen müssen, wenn ihre Eltern in eine solche Affäre verstrickt sind, kann man nur ahnen.

Bettina Wulff war von Anfang an ganz anders, als man sich bis dahin First Ladys vorgestellt hatte. Plötzlich zog da eine Frau ins Schloss Bellevue ein, die sich als alleinerziehende Mutter durchs Leben geschlagen hatte, wie ein Model aussah, sportlich war, ein Tattoo trug, über das sie nicht reden wollte, und im Radio erzählte, dass „Highway to Hell“ einer ihrer Lieblingssongs sei. Trotzdem gelang es ihr anfangs, sich Anerkennung zu verschaffen und ihre Anliegen durchzusetzen. Beim letzten Sommerfest im Schloss Bellevue waren 600 Kinder eingeladen und am Tag der Deutschen Einheit gab es ein großes Kinder- und Familienfest in der Villa Hammerschmidt in Bonn.

Jetzt wird alles anders. Vielleicht gibt es mal einen Ersten Mann an der Seite einer Bundespräsidentin. Auf jeden Fall ist zu erwarten, dass der neue Amtsträger oder die neue Amtsträgerin den demografischen Wandel eher widerspiegelt. Die Autorität, die jetzt verlangt wird, gibt es erst ab einem bestimmten Lebensalter, das normalerweise ziemlich weit entfernt ist vom hautnahen Umgang mit Kindergärten und Schulen. Das Kinderlachen im Schloss Bellevue ist schon Geschichte. Der Neubeginn wird es wohl nicht unbedingt zurückbringen.

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