Bildungsniveau in Deutschland : Noch gibt es zu viele Verlierer

In Berlin wurde am Freitag der Nationale Bildungsbericht von Bund und Ländern vorgelegt. Dieser zeigt: Zu viele Menschen mit geringer Bildung schaffen den sozialen Aufstieg nicht. Doch woran liegt das?

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Die deutsche Bildungslandschaft verändert sich in vielen Bereichen. Doch der Sockel von Menschen mit sehr geringem Bildungsniveau bleibt stabil. Das geht aus dem vierten Nationalen Bildungsbericht hervor, der am gestrigen Freitag in Berlin vorgestellt wurde: „Angesichts der immer engeren Koppelung von Bildungschancen an Lebenschancen ist das die größte politische Herausforderung“, erklärt Andrä Wolter, Professor für Erziehungswissenschaft an der Humboldt-Universität und Mitautor der Studie. Der Bericht „Bildung in Deutschland 2012“, den eine Gruppe von Wissenschaftlern unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) erarbeitet hat, wird im Auftrag von Bund und Ländern erstellt.

Der Anteil von Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss sank zwischen den Jahren 2004 und 2010 leicht: von acht auf 6,5 Prozent. Der Abstand der Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund zu den Deutschstämmigen bleibt bestehen: Unter den 30- bis 35-Jährigen haben zehn Prozent keinen Hauptschulabschluss und 37 Prozent keinen beruflichen Abschluss. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund steigt jedoch stetig: Unter den 24-Jährigen liegt er bei 23 Prozent, bei den unter Einjährigen bereits bei 35 Prozent.

Wegen des Geburtenrückgangs entspannt sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt, so dass weniger Jugendliche in das Übergangssystem wechseln müssen. Doch ihr Anteil an den Neuzugängen in die berufliche Bildung liegt noch immer bei 30 Prozent.

Noch immer wächst fast jedes dritte Kind in Deutschland in „mindestens einer Risikolage“ auf, stellen die Wissenschaftler fest. Das entspricht dem Stand bei der letzten Untersuchung vor zwei Jahren. Als die drei Risikolagen, die den Bildungserfolg gefährden können, gelten ein bildungsfernes Elternhaus oder eins, indem beide Eltern arbeitslos sind, sowie ein Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze. In Berlin haben 44 Prozent der Kinder mindestens eine Risikolage, damit liegt Berlin bundesweit vorn.

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