Bundespräsident in Nahost : Gauck mahnt zu Zurückhaltung beim Siedlungsbau

Joachim Gauck besucht bei seiner Nahost-Reise auch die Palästinensergebiete. Den Menschen dort versichert der Bundespräsident, er habe in Israel für Mäßigung beim Bau neuer Siedlungen geworben. Doch den Palästinensern ist das nicht genug.

Armin Käfer[Ramallah]
Bundespräsident Joachim Gauck und Palästinenserpräsident Abbas
Bundespräsident Joachim Gauck und Palästinenserpräsident AbbasFoto: dpa

Schon bei der Anreise kann der Bundespräsident die wesentlichen Probleme des Westjordanlandes besichtigen. Wie in einem Dokumentarfilm rauschen sie vorbei vor der Windschutzscheibe der schwarzen Limousine von Joachim Gauck, der am Donnerstag die Palästinensergebiete besuchte. Eines dieser Probleme heißt Givat Assaf. Das ist ein Außenposten jüdischer Siedler in der Einöde auf dem Weg von Jerusalem nach Nablus. Wohncontainer stehen in der kargen Landschaft, weithin sichtbar ist eine kunterbunte Kinderrutsche. Selbst nach den für solche Art der Kolonisation toleranten Regeln der Regierung Netanjahu gilt diese Siedlung als illegal. Sie soll angeblich geräumt werden. Doch der israelische Staat hat schon mal für Stromanschlüsse und fließendes Wasser gesorgt.

Das ist nicht allen Bewohnern dieses Landstrichs vergönnt. Die Dörfer sind leicht zu unterscheiden. Die jüdischen Siedler bevorzugen rote Ziegeldächer. Auf den flach gedeckten Häusern der Palästinenser türmen sich Wasserfässer. Frisches Wasser gibt es für sie nur ein paar Stunden in der Woche. Alle Probleme, die nicht gleich auf Anhieb zu sehen sind, bekommt Gauck von seinen Gastgebern am letzten Tag der Nahostreise erzählt. Zum Beispiel in Burin, einem palästinensischen Dorf, wo der Bundespräsident eine Mädchenschule einweiht, die mit deutscher Hilfe gebaut wurde. Das aus hellem Kalkstein errichtete Schulgebäude steht inmitten steiniger Äcker. Von einem Hügel in Sichtweite leuchten die roten Ziegelsteine benachbarter Siedler. Zehn solcher Schulen hat Deutschland bereits finanziert, vier weitere werden gebaut. Eine Messingtafel verweist auf die Spender.

Die Mädchenschule in Burin beendet einen schwierigen Zustand: Bisher wurden die Schülerinnen dort in zwei Schichten unterrichtet. Die alten Klassenräume waren baufällig. Die verbesserten Unterrichtsbedingungen sollen zudem verhindern, dass Mädchen noch im schulpflichtigen Alter verheiratet werden.

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