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Die Brüder schweigen : Afrikanische Herrscher halten Gaddafi die Treue

24.08.2011 17:28 Uhrvon
Mentor Afrikas. Gaddafi mit Kongos Präsident Nguessou.Bild vergrößern
Mentor Afrikas. Gaddafi mit Kongos Präsident Nguessou. - Foto: Reuters

Während fast die ganze Welt das nahende Ende der Gaddafi-Diktatur feiert, halten sich die Regierungen südlich der Sahara merkwürdig bedeckt.

Während fast die ganze Welt das nahende Ende der Gaddafi-Diktatur feiert, halten sich die Regierungen südlich der Sahara merkwürdig bedeckt. Die Afrikanische Union (AU), der Staatenbund des Kontinents, tut auch jetzt noch immer das, was die Organisation schon bei den Krisen in Tunesien und Ägypten aber auch in der Elfenbeinküste oder zuletzt am Horn von Afrika getan hat: gar nichts! Immerhin hat die AU nun für Freitag einen Sondergipfel einberufen, auf dem seine Staatschefs endlich Position beziehen und womöglich doch noch die neue Rebellenregierung anerkennen wollen.

Sudan, aber auch andere Staaten haben dies noch nicht getan.

Neben dem allgemeinen Desinteresse Afrikas an den Zuständen im arabisch geprägten Norden des Kontinents liegt die Zurückhaltung seiner Führer zum einen daran, dass nicht wenige von ihnen Gaddafi viel zu verdanken haben. Wie groß allein dessen Aufwendungen für die Finanzierung der AU und ihrer aufgeblähten Bürokratie waren, ist nicht bekannt. Gaddafis Spenden sollen sich auf rund die Hälfte der Gesamtkosten der AU belaufen.

In den vergangenen Jahren hatten libysche Staatsunternehmen zudem hohe Millionenbeträge auf dem Kontinent investiert, darunter vor allem in Kenia, wo Gaddafis Regime Luxushotels und Teile der staatlichen Ölraffinerie erwarb. Kenias Vize-Außenminister Richard Onyonka nannte den Vormarsch der libyschen Rebellen auf Tripolis deshalb auch einen traurigen Tag für Afrika. „Gaddafi hat für Kenia viele gute Dinge getan“, meinte Onyonka. Auch habe der Libyer im Kampf gegen die Apartheid und den Kolonialismus im südlichen Afrika eine zentrale Rolle gespielt. Dabei war Gaddafi, der sich seinen schwarzen Nachbarn in Wahrheit überlegen fühlte, an vielen afrikanischen Bürgerkriegen beteiligt, etwa im Westsudan und Tschad aber auch in Zentralafrika. Ihm selbst ging es dabei nie um Gerechtigkeit, sondern allein die Ausweitung der arabischen Einflusssphäre.

Zum anderen erklärt sich die Ambivalenz Afrikas gegenüber dem Sturz Gaddafis aber auch damit, dass nicht wenige seiner Despoten wie etwa Obiang Nguema, der Staatschef von Äquatorialguinea und gegenwärtige Vorsitzende der AU, daheim kaum demokratischer als der libysche Diktator herrschen – und ein ähnliches Schicksal wie Gaddafi fürchten. Um die hohen Zuwendungen aus Tripolis nicht zu gefährden, hatten fast alle afrikanischen Staatschefs vor zwei Jahren den Aufstieg Gaddafis zum Vorsitzenden der AU unterstützt. Dass dieser die AU mit seinen oft wirren Reden häufig blamierte, etwa als er die somalischen Piraten zu Freiheitskämpfern erklärte, störte in Afrika wenige, zumal viele der Staatschefs auf dem Kontinent seine verrückten Ideen durchaus teilten.

Bezeichnend ist das Verhalten Südafrikas. Nachdem dessen Präsident Jacob Zuma die UN-Resolution gegen Libyen zunächst mit viel Bauchschmerzen mitgetragen hatte, empörte sich Südafrika später über die allzu großzügige Auslegung des Mandats und geißelte die Unterstützung der Rebellen durch den Westen aufs Schärfste. Zuma selbst sprach von einem „eklatanten Missbrauch der Resolution“ und neokolonialem Gebaren.

Dass Afrika selbst bei Konflikten nur zuschaut, wird von den Regierenden gern verschwiegen. Erst Anfang August wurde ein Sondergipfel der AU zur Hungersnot in Somalia einfach verschoben. Entsprechend schwer dürfte sich der Kontinent nun damit tun, am Freitag auf dem Libyen-Gipfel eine gemeinsame Linie zu finden. Nigerias Außenminister Olugbenga Ashiru zeigt sich bereits jetzt realistisch. Es gebe in Afrika einige Länder, die stark vom Gaddafi-Regime profitiert hätten. „Das macht ein gemeinsames Vorgehen nun ausgesprochen schwierig.“

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