Politik : Erschießungskommando richtet US-Todeskandidaten hin

Friedemann Diederichs

Washington - Ein Metallstuhl mit Hand- und Fussfesseln. Eine schwarze Kapuze zum Verhüllen des Kopfes. Ein rundes Papierstück zum Markieren des Herzens. Eine Schüssel zum Auffangen des Blutes. Und fünf Winchester-Gewehre, von denen nur vier scharfe Patronen enthielten – so dass unklar blieb, wer den tödlichen Schuss abgab. Das waren die wichtigsten Zutaten zu der seit langem umstrittensten Hinrichtung in den USA. Um fünf Minuten nach Mitternacht wurde am Freitag im US-Bundesstaat Utah der 49-jährige Mörder Ronnie Lee Gardner von einem Erschießungskommando getötet – eine Methode, die Kritiker wie John Wester, der Bischof von Salt Lake City, als „brutal“ und „archaisch“ brandmarken und einer Zeit zuordnen, die als „Wilder Westen“ gilt.

Wie andere Gegner der Todesstrafe hatte der Bischof zu einem Gottesdienst und einer Mahnwache in den Stunden vor dem Exekutionstermin aufgerufen, doch an Gardners Schicksal änderte dies nichts mehr. Der Mann, der 1985 bei einem Fluchtversuch im Gericht einen Anwalt erschoss und einen Wärter schwer verletzte, war mit seinem Gnadengesuch vor dem höchsten US-Gericht gescheitert, hatte vergeblich vor einem Staatsausschuss um Gnade gefleht und nach 25 Jahren im Todestrakt die Hinrichtungsmethode selbst gewählt. „Ich hätte gerne das Erschießungskommando, bitte“, hatte der kahl geschorene Häftling höflich bei einer Gerichtsanhörung vor zwei Monaten gesagt. Ein Wunsch, den der Richter nicht ablehnen konnte. Denn Utah hatte zwar vor sechs Jahren die Giftspritze zum einzigen Instrument für die Todesstrafe gemacht und als letzter US-Bundesstaat die Erschießung abgeschafft. Doch weil dieses Gesetz nicht rückwirkend galt, hatte Gardner die Wahl.

Gardners Fall hat in den USA die Debatte um die Zulässigkeit der Todesstrafe, aber auch um die Hinrichtungsmethode neu entfacht. Nachdem im Jahr 1996 mit John Taylor der letzte Mörder in Utah erschossen worden war, äußerten Gerichtsmediziner die Ansicht, dieser habe sicher nicht gelitten. Denn alle Schüsse hätten aus gerade einmal sieben Metern Entfernung ins Herz getroffen. Doch für Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International ist dies kein zulässiges Argument. Die Gruppen lehnen die Todesstrafe, die in 35 US-Bundesstaaten weiterhin gültig ist und das Land in eine Reihe mit Regimen wie Nordkorea, den Iran oder China stellt, grundsätzlich ab. Friedemann Diederichs

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