Flüsterer aus Hannover : Wulff holt zwei Vertraute nach Berlin

Mit Lothar Hagebölling und Olaf Glaeseker begleiten zwei Vertraute den Bundespräsidenten aus Hannover nach Berlin. Hagebölling soll Chef des Bundespräsidialamtes werden.

Klaus Wallbaum

Lothar Hagebölling ist ein Freund des Preußentums, in einem seiner früheren Dienstzimmer hing seinerzeit ein großes Porträt von Friedrich dem Großen. Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Bescheidenheit – diese preußischen Tugenden sind auch Hageböllings Ideale. Außerdem zählt unbedingte Loyalität dazu. So konnte der bisherige Chef der hannoverschen Staatskanzlei nicht Nein sagen, als ihn der neue Bundespräsident Christian Wulff um seinen Wechsel nach Berlin bat. „Es fällt mir aber sehr schwer“, sagte der 58-Jährige am Ende der vergangenen Woche in Hannover.

Der in Braunschweig wohnende Hagebölling ist einer von zwei Vertrauten, die Wulff aus Hannover nach Berlin begleiten. Der andere heißt Olaf Glaeseker, ist 49 Jahre alt und arbeitet seit elf Jahren als Wulffs Sprecher. Auch er wird künftig an der Seite des Staatsoberhaupts eine wichtige Rolle einnehmen. Welche, ist noch unklar. Hagebölling soll Chef des Bundespräsidialamtes werden – der ranghöchste Mitarbeiter. Als solcher wird er an Kabinettssitzungen teilnehmen und sicherstellen, dass der Präsident von allen Planungen der Bundesregierung erfährt – um dann notfalls, bei aller mit dem Amt verbundenen Zurückhaltung, eingreifen zu können. Für diese Rolle scheint Staatssekretär Hagebölling wie geschaffen: Er agiert still und unauffällig. Sein Vorgänger Hans-Jürgen Wolff war umstritten – unter anderem soll Horst Köhlers Pressesprecher Martin Kothé wegen ihm das Amt verlassen haben.

Niedersachsen hat verschiedene Typen von Chefs in der Staatskanzlei erlebt, die vor allem als „Frühwarnsysteme“ dienen sollten: Sie müssen spüren und erkennen, wo möglicherweise im Zusammenspiel von Ministerien, Regierungszentrale und Landtag Sand in Getriebe ist, wo Konflikte und Auseinandersetzungen drohen.

Während Hagebölling Wulffs wichtigster Mitarbeiter wird, dürfte Olaf Glaeseker auch im Bundespräsidialamt Wulffs engster Vertrauter bleiben. Als „Symbiose“ hat Wulff einmal sein Verhältnis zu dem früheren Journalisten beschrieben. Der ruhige, bedächtige und zumeist betont gelassene Glaeseker wurde 1999 Sprecher von Wulff, zu einer Zeit, als dieser zwei Landtagswahlen verloren hatte und viele interne Kritiker schon aufbegehrten. Glaeseker half mit seinen Kontakten und geschickten Einflüsterungen, das Wulff-Bild in den Medien zu verändern – und damit auch Wulff selbst.

Der Politiker wurde lockerer, offener und rhetorisch geschickter, gleichzeitig galt Wulff in den Berichten der Medien mehr und mehr als starke Figur in der CDU. Persönliche oder politische Krisen wie die Scheidung, die Kehrtwende beim Raucherschutz oder Ungeschicklichkeiten bei der Annahme von Vergünstigungen führten auch deshalb nicht zu einer ernsten Belastung für Wulff, weil Glaeseker mit seinem Einfluss die Kritik abzufedern verstand.

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