Fragestunde im Staatsfernsehen : Putin und die Ukraine: "Auf der Krim standen auch unsere Truppen"

In der traditionellen Fragestunde im russischen Staatsfernsehen bekräftigt Präsident Putin seinen Kurs gegenüber der Ukraine, muss aber auch kritische Fragen beantworten. Und sogar Edward Snowden wird zugeschaltet. All das können Sie hier in unserem Liveblog nachlesen.

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Auftritt im Staatsfernsehen: Russlands Präsident Wladimir Putin.
Auftritt im Staatsfernsehen: Russlands Präsident Wladimir Putin.Foto: dpa

Russlands Präsident Wladimir Putin stellt sich in der traditionellen Fragestunde "Direkter Draht" im russischen Staatsfernsehen den Fragen der Bürger. Wir haben die Veranstaltung hier für Sie per Liveblog verfolgt:

13.34: Die Show läuft noch immer weiter, inzwischen mit mehr als einer halben Stunde Überlänge. Putin spricht nun ausführlich über Details der russischen Sozialpolitik, über das Gehaltsniveau russischer Ärzte, über die Bildungspolitik - die großen Themen scheinen abgehakt zu sein. Wir verabschieden uns an dieser Stelle aus dem Liveblog, den Sie unten natürlich in voller Länge nachlesen können.

13.13: Kleine Sensation - der nächste Fragesteller ist niemand anderer als Edward Snowden! Der in Russland untergetauchte amerikanische Geheimdienstler wird per Video zugeschaltet. Er skizziert etwa eine Minute lang die Abhörpraktiken seines ehemaligen Arbeitgebers und fragt dann Putin, ob in Russland ähnliches praktiziert werde: "Wird in Russland die Kommunikation von Bürgern abgefangen und gespeichert, und halten Sie solche Praktiken für berechtigt?"

Putin anwortet von Kollege zu Kollege: "Lieber Mister Snowden, genau wie Sie war auch ich einmal Agent." Auch der russische Geheimdienst höre natürlich Telefongespräche ab, aber: "Das ist bei uns gesetzlich streng reglementiert und geschieht nur auf Anordnung von Gerichten." Eine massenweise Verfolgung von Bürgern wie in Amerika sei deshalb in Russland nicht möglich und werde nicht praktiziert.

Das "Guardian"-Video zu Snowdens Auftritt bei Putin

13.02: Live-Schalte nach Berlin. Dort sitzen in einem Studio "internationale Russland-Experten" aus Deutschland, Österreich, Frankreich und den USA. Die erste Frage formuliert der Deutsche Alexander Rahr, der Russland-Lobbyist beim deutschen Konzern Wintershall ist. "Was ist Europas Zukunft?", fragt er. "Wird Europa geeint oder gespalten sein?" Putins Antwort: "Trotz all seiner Besonderheiten unterscheidet sich Russland nicht kategorisch von Europa. Wir sind alle verschieden, aber unsere Werte sind dieselben." Er glaube, fährt Putin fort, an ein einiges Europa, "von Lissabon bis Wladiwostok. Wenn wir einig sind, sind wir stark, wenn nicht, werden wir für die Welt unbedeutend sein."

Gas-Ultimatum für die Ukraine

12.50: Und wieder eine Frage zur Ukraine: "Warum", will ein Mann wissen, " wird russischen Verbrauchern das Gas abgestellt, wenn sie ihre Schulden nicht bezahlen, während die Ukraine, die ihre Schulden auch nicht zahlt, weiter Gas bezieht?" Sehr willkommene - und sicher nicht ganz überraschende - Frage für Wladimir Putin, der an dieser Stelle noch einmal ausführlich die Gasschulden der Ukraine auflistet und die große Geduld Russlands angesichts der Zahlungsverzögerungen schildert. Das neue Regime aber habe seit seiner Machtergreifung die Zahlungen für russisches Gas komplett eingestellt. "Wir geben ihnen noch einen Monat. Wenn dann immer noch kein Geld kommt, liefern wir nur noch gegen Vorauszahlung."

Public Viewing in der Ost-Ukraine: Prorussische Aktivisten in der Nähe des eingenommen Staatsbüros in Luhansk verfolgen den Putin-Auftritt im Freien.
Public Viewing in der Ost-Ukraine: Prorussische Aktivisten in der Nähe des eingenommen Staatsbüros in Luhansk verfolgen den...Foto: Reuters

12.37: Ein Mann im Studio sagt: Alle möglichen internationalen Organisationen drohen Russland wegen der Ukraine-Krise mit dem Ausschluss oder mit Sanktionen - "als seien wir irgendwelche ärmlichen Verwandten, mit denen man so umspringen kann". Ob es, fragt der Mann, unter diesen Bedingungen nicht angebracht sei, die Mitgliedschaft in manchen Organisationen zu überdenken? Tatsächlich, antwortet Putin, werde man das Verhältnis zu Organisationen überdenken, von denen man den Eindruck habe, dass sie ihre Standpunkte nicht klar formulieren könnten und kein zutreffendes Bild der Geschehnisse in der Welt hätten. Konkrete Organisationen nennt er nicht.

Keine Pläne für Alaska

12.27: Eine pink gekleidete Moderatorin verliest Statistiken: Zusätzlich zu den weit mehr als zwei Millionen Fragen, die bereits vor der Sendung per Mail, Brief oder Anruf eingereicht wurden, empfange man derzeit etwa 90 neue Video-Botschaften pro Minute. Auf Platz 1 stehe bei den Fragestellern das Thema Ukraine, gefolgt von Fragen aus dem sozialen Bereich.

12.12: Das ärmliche Dorf Belgo im Verwaltungsgebiet Chabarowsk bekommt jetzt eine neue Straße und einen Gasanschluss. So einfach geht das in Russland: Ein Anruf bei Putin, schon wird's gemacht.

12.05: Eine Frau aus Sibirien fragt per Mail, ob Russland sich nicht auch Alaska zurückholen könne. "Larissa, wozu brauchen Sie Alaska?", fragt Putin lächelnd zurück. Gelächter im Studio. Nein, erklärt Putin dann, zu Alaska habe er keine Pläne.

11.58: Knapp zwei Stunden lang ging es ausschließlich um die Ukraine, erst gegen kurz vor zwei Uhr Ortszeit werden erste Fragen zu anderen Themen gestellt - gerade spricht Putin ausführlich über die russische Rentenpolitik. Am Morgen vor der Sendung hat übrigens sein Sprecher Dmitrij Peskow vor betrügerischen Internetportalen gewarnt, auf denen gegen Bezahlung Fragen an den Präsidenten eingereicht werden können. 50 Rubel, etwa ein Euro, würden dort pro Frage verlangt, erklärte Peskow: "Ein inakzeptabler Beweis für die Popularität der Sendung."

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