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Islam in Deutschland : Saudi-Arabien gibt König-Fahd-Akademien auf

Saudi-Arabien schließt die umstrittene König-Fahd-Akademie in Bonn - und stoppt auch den Aufbau einer saudischen Schule in Berlin.

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Der Rohbau der König-Fahd-Akademie an der Glockenturmstraße in Charlottenburg.
Der Rohbau der König-Fahd-Akademie an der Glockenturmstraße in Charlottenburg.Foto: Cay Dobberke

Saudi-Arabien will sich offenbar stärker gegenüber deutschen Einflüssen öffnen. Die Regierung in Riad wird die umstrittene König-Fahd-Akademie in Bonn, die nach dem saudischen Lehrplan unterrichtet, bis zum Jahresende schließen. Dies teilte die Botschaft Saudi-Arabiens dem Tagesspiegel mit. Auch der Aufbau einer gleichnamigen saudischen Schule in Berlin für 400 Schüler ist demnach gestoppt worden. Erst vor Kurzem verhinderte die saudische Regierung den Bau eines Moscheezentrums in München.

Die Schritte stehen nach Angaben saudischer Diplomaten in engem Zusammenhang mit dem vor allem von Vizekronprinz Mohammed bin Salman vorangetriebenen Reformprozess zum Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft in Saudi-Arabien („Vision 2030“). In der Vergangenheit war es zwischen Deutschen und Saudis zu Konflikten um die Bonner Schule gekommen. So hatte das Kölner Regierungspräsidium der Bildungseinrichtung im Jahr 2003 „fundamentalistischen Islamismus an und in der Schule“ vorgeworfen und mit dem Entzug der Genehmigung gedroht. Kritik wurde laut, in der Schule sei zum „Heiligen Krieg“ aufgerufen worden. Auch der Verfassungsschutz beobachtete die Einrichtung und ihr Umfeld zeitweise. Gegen den Bau der Schule in Berlin wurden ebenfalls immer wieder Bedenken geäußert.

Die Entscheidung zur Schließung traf der Vizekronprinz selbst

Die Entscheidung zur Schließung hat nach Angaben der saudischen Diplomaten Vizekronprinz Mohammed bin Salman selbst getroffen. Es sei eines der wichtigsten Anliegen der Regierung in Riad, der saudischen Jugend zur bestmöglichen Ausbildung und Erziehung zu verhelfen, hieß es zur Begründung. Nur so könne das Ziel der „Vision 2030“ erreicht werden, Saudi-Arabiens Wirtschaft von der Abhängigkeit vom Erdölexport zu befreien und international wettbewerbsfähig zu machen. Weil Deutschland über „eines der weltweit besten Bildungssysteme“ verfüge und Saudi-Arabien von diesem lernen könne, sehe die Regierung in Riad keine Notwendigkeit mehr für eine saudische Schule in Deutschland.

Der saudische Botschafter in Berlin, Awwad S. Alawwad, der sein Amt Ende vergangenen Jahres antrat, gilt als Vertrauter des Vizekronprinzen. Er hat angekündigt, er wolle auch heikle Fragen mit der deutschen Öffentlichkeit debattieren. Belastet werden die Beziehungen vor allem durch massive Menschenrechtsverletzungen in dem Golfstaat. Ungeachtet dessen sieht die Bundesregierung das Land als Stabilitätsfaktor in der Region und setzt auf den Einfluss Saudi-Arabiens in den Bemühungen um eine politische Lösung des Syrien-Konflikts. Auch bei der Bekämpfung des Terrorismus zeige Saudi-Arabien nun eine neue Offenheit, kooperiere weit besser und liefere mehr Daten, hieß es aus der Bundesregierung.

Wegen der Vorwürfe gegen die Bonner Schule hatte das Berliner Abgeordnetenhaus dem Bau der Akademie in der Hauptstadt 2008 nur unter der Bedingung zugestimmt, dass dort keine Moschee entstehen dürfe. Das Grundstück im Westend in der Nähe des Olympiastadions hatte der landeseigene Liegenschaftsfonds den Saudis verkauft. Zur Zukunft des Gebäudes, das im Rohbau fertiggestellt ist, machte die Botschaft keine Angaben.

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