Jeb Bush im Porträt : Der Mann, der Barack Obama ablösen soll

Effizient und ehrgeizig – aber noch spröder als Hillary Clinton: Jeb Bush ist kein geborener Anführer. Und doch ist der kleine Bruder von George W. Bush der Mann, von dem die amerikanischen Republikaner glauben, er könne Barack Obama als Präsident nachfolgen.

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Hoffnungsträger. Laut Umfragen hätte Jeb Bush noch die besten Chancen, gegen Hillary Clinton – sollte sie denn antreten – zu gewinnen.
Hoffnungsträger. Laut Umfragen hätte Jeb Bush noch die besten Chancen, gegen Hillary Clinton – sollte sie denn antreten – zu...Foto: Mark Wilson/AFP

Es wäre der perfekte Moment gewesen. Auf der Bühne des Wardman-Marriott Hotels in Washington, die Tische im Ballsaal besetzt mit treuen Anhängern. An diesem Morgen hätte Jeb Bush verkünden können, dass er Barack Obama bei der Wahl im November 2016 ins Weiße Haus folgen will. Das Land wartet auf ein Signal. Nur Tage zuvor hatten die Republikaner den US-Senat übernommen. Hier und heute hätte er versprechen können, die Taten des Demokraten rückgängig zu machen und eine zweite Clinton-Administratur mit aller Kraft zu verhindern. Stattdessen redet der ehemalige Gouverneur von Florida auf dem Podium über Mathematiktests. Dabei verlagerte der große Mann ständig sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Es wirkt, als wackelte er. Als sei er nicht wirklich entschlossen.

Die Bildungsexperten im Saal sind vermutlich die einzigen, die beim Jahrestreffen der „Foundation for Excellence in Education“ am 20. November 2014 hören wollen, was der Stiftungsgründer zu amerikanischen Schulen zu sagen hat. Außerhalb des Saales interessiert die Menschen nur eines: Ob Jeb Bush antritt, ob der 61-Jährige der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden will.

Sie warten vergeblich. „Nur ein Viertel unserer Highschool-Abgänger sind ausreichend für das College vorbereitet“, beklagt der Mann mit dem rosaroten Schlips und den blassrosa Wangen, die linke Hand in der Hosentasche. „Wir müssen dieses Problem lösen.“ Angriffe auf Barack Obama, Hillary Clinton, die Demokraten? Mit keinem Ton. Zum Weißen Haus sind es von hier gerade mal 2,1 Meilen. Doch an diesem Morgen scheint es endlos weit entfernt.

Er könnte auch als gutmütiger Schuldirektor durchgehen

Jeb Bush ist einen Meter und 91 Zentimeter groß, ein Hüne, der mit seinem gutmütigen Gesicht und der randlosen Brille auch als kompetenter Schuldirektor durchgehen könnte. Die amerikanische Bildungspolitik ist ja auch sein Lieblingsthema. Der sieben Jahre jüngere Bruder von George W. Bush, dem 43. US-Präsidenten, gilt als intellektuell, ideologisch, nachdenklich und introvertiert. Neben Barack Obama wirkt Jeb Bush, der gern in verschachtelten Sätzen spricht, wie ein politischer Laienschauspieler. Selbst Hillary Clinton ist nicht so spröde. Und doch ist er der Mann, auf den die amerikanischen Republikaner derzeit ihre größte Hoffnung setzen.

Es ist erstaunlich, wie die Familie von George Herbert Walker Bush, dem 41. US-Präsidenten, zwei so unterschiedliche Söhne hervorbringen konnte: George W. Bush, der ältere, gilt als witzig und unterhaltsam, auch wenn er der Welt vor allem wegen des Irak-Kriegs und der Menschenrechtsverletzungen in Erinnerung geblieben ist. Der Ex-Präsident polarisiert, ist bekannt für seine Intuition, Schärfe und Entschlossenheit. Wollten die Republikaner, um die Macht im Weißen Haus wieder zu übernehmen, eine Art Anti-Bush präsentieren, Jeb Bush wäre der wohl geeignetste Kandidat für diese Rolle.

Im Bush-Umfeld wird die auffallende Unterschiedlichkeit der beiden Brüder mit einer Familientragödie erklärt. 1953 starb die nicht einmal vier Jahre alte Bush-Schwester Robin an Leukämie. Und während Jeb noch ein Baby war, hat der siebenjährige George W. den Erzählungen zufolge die Aufgabe übernommen, die Familie aufzuheitern. „Er ist der Familienclown“, hat Marvin, der jüngste der vier Bush-Brüder, über George W. einmal gesagt. Jeb Bush ist immer der Stillere geblieben. An diesem Morgen im Wardman-Hotel aber sieht er den richtigen Zeitpunkt wohl noch nicht gekommen, um den großen Schritt zu gehen.

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