Politik : Länder bei Pisa einig gegen Bulmahn

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Berlin. Mit ihren Vorschlägen zur Schulreform trifft Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) auf den entschiedenen Widerstand der Länder. „Wir brauchen keinen Rat der Bildungsweisen“, entgegnete die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Dagmar Schipanski (CDU), am Dienstag bei der offiziellen Präsentation des innerdeutschen Pisa-Schulleistungsvergleichs. Man wolle aber kein Kompetenzgerangel.

Die Kultusminister von Union wie SPD wollen bei der Verbesserung der Schulen vielmehr stärker voneinander lernen. „Keiner kann sich auf die Schulter klopfen“, sagte Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU). Sein Amtskollege aus Rheinland-Pfalz, Jürgen Zöllner (SPD), mahnte an, das Ausbildungsniveau für alle anzuheben.

Als dramatischste Ergebnisse bezeichnete der Leiter der deutschen Pisa-Studie, Jürgen baumert, die großen Leistungsunterschiede zwischen den Bundesländern, mit denen so niemand gerechnet habe. Baumert: „Die Leistungsdifferenzen betragen umgerechnet eineinhalb bis zwei Schuljahre. Das ist schon bedeutend.“ Die Ursachen dafür lägen „primär in den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen“, sagte Baumert, der Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin ist. Besondere Herausforderung für die Bildungspolitik sieht er in der Förderung von Lernschwachen und Migrantenkindern. „Aber auch die Leistungsspitze ist in allen Bundesländern sehr klein.“ Die nötigen Schulreformen müssten sich am leistungsstärkeren Ausland orientieren.

Trotz der Streitigkeiten zeichnet sich auch ein Konsens zwischen Bund und Ländern ab: Alle wollen einheitliche Leistungsstandards schaffen. Die ersten, für das Abitur, sollen im kommenden Jahr fertig sein. „Das ist gar nicht einfach und wäre vor fünf Jahren in der KMK nicht möglich gewesen“, erinnerte Zehetmair. Außerdem soll die Sprachförderung im Kindergarten verstärkt werden. Die Ganztagsschulen sollen „bedarfsgerecht“ ausgebaut werden, aber „Einheitsrezepte“ seien nicht gefragt.

Bayern hatte beim Schulvergleich Pisa am besten abgeschnitten und als einziges Bundesland auch international einigermaßen mitgehalten. Dort wie auch in Baden–Württemberg klappt auch die Förderung von Migrantenkindern beispielhaft gut, wie Baumert berichtete. In Bayern hätten Migrantenkinder bei Pisa besser abgeschnitten als der Durchschnitt der Schüler in allen anderen Bundesländern. Bärbel Schubert

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