Morddrohungen gegen Islamlehrerin : Lamya Kaddor will "nicht die Klappe halten"

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor legt sich mit reaktionären Muslimen genauso an wie mit Islamhassern. Jetzt bekommt sie Morddrohungen von rechts.

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Lamya Kaddor.
Lamya Kaddor.Foto: dpa

"Nun ist es passiert“, schrieb die Islamwissenschaftlerin und Islamlehrerin Lamya Kaddor am Mittwochabend auf Facebook. Sie erhalte Morddrohungen und werde so mit Hass zugeschüttet, dass sie sich aus „Sicherheitserwägungen vom Schuldienst beurlauben lassen musste“. Bis zu den Sommerferien ruht ihre Lehrtätigkeit in Dinslaken-Lohberg.

Dabei ist die 38-Jährige viel gewohnt. Seit zehn Jahren sitzt sie zwischen den Stühlen und wird von allen Seiten attackiert. Sie versucht einen Mittelweg, für den es immer weniger Verständnis zu geben scheint. Lamya Kaddor geht hart mit den traditionalistischen Islamverbänden ins Gericht und mahnt Reformen im Islam an. Zugleich kritisiert sie jene, die meinen, Religion an sich sei etwa Gestriges und habe in der modernen Welt nichts mehr zu suchen, vorneweg der Islam. Um eine Alternative zum konservativen Islam aufzuzeigen, gründete sie 2010 den Liberal-Islamischen Bund mit.

Sie wagt es, nach der Bringschuld der Mehrheitsgesellschaft zu fragen

Kaddor ist die Tochter syrischer Einwanderer. Sie ist im westfälischen Ahlen aufgewachsen und hat ihre Eltern schon als Kind mit ihren Fragen zur Religion gelöchert. Sie wollte wissen, warum man zum Beispiel Kopftuch tragen soll. Später studierte sie Islamwissenschaften und gehörte zu den ersten Islampädagogen.

Seit zwölf Jahren unterrichtet sie an Schulen in Dinslaken-Lohberg. Jeden Tag diskutiert sie mit ihren Schülern über die Religion, redet an sie hin, dass sie ihre Vernunft einsetzen und nicht einfach nachbeten, was der Hodscha um die Ecke sagt. Doch sie musste erleben, dass alles Reden und Diskutieren nicht immer hilft: Fünf ihrer Schüler schlossen sich dem „Islamischen Staat“ in Syrien an.

Über ihre Erfahrungen hat sie mehrere Bücher geschrieben und wurde mit Preisen geehrt. Vor einer Woche ist „Die Zerreißprobe. Wie die Angst vor dem Fremden unsere Demokratie bedroht“ erschienen. In dem Buch fragt sie, ob sich auch die Mehrheitsgesellschaft ändern müsse, damit Integration gelingt und liberale Grundsätze nicht aufgegeben werden.

Das ist offenbar zu viel für rechte Hetzer. „Die sind völlig enthemmt“, sagte Kaddor im Interview mit dem Deutschlandfunk. Es werde ihr vorgeworfen, „wie sie es wagen könne, als Ausländerin den Deutschen etwas vorschreiben zu wollen“. Andere fordern, man solle sie „vergasen“. Sie sei schon von Islamisten bedroht worden, sagt Kaddor. Aber so was habe sie noch nicht erlebt. Gegen einige Hetzer, die sich mit Klarnamen im Internet zu erkennen geben, ermittelt die Polizei. Aber sie werde auch künftig, „nicht die Klappe halten“, schreibt sie auf Facebook.

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