Politik : Neue Struktur für deutsche Islamverbände

Alexander Bürgin

Berlin - Mehrere islamische Dachverbände wollen einheitliche und föderale Strukturen für den Islam in Deutschland schaffen. Durch die Reform der Organisation sollten innerhalb eines Jahres auf Landes- und Bundesebene repräsentative Ansprechstellen für Staat und Gesellschaft entstehen, teilten der Islamrat, der Zentralrat der Muslime und der Verband der islamischen Kulturzentren mit.

Hintergrund für das neue Miteinander statt Nebeneinander der zahlreichen, teilweise konkurrierenden Dachverbände ist die Debatte über die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts. Laut Grundgesetz hat jede Glaubensrichtung das Recht auf staatlichen Religionsunterricht – vorausgesetzt, sie ist als Religionsgemeinschaft anerkannt. Bisher verweigerten die Gerichte dem Islamrat und dem Zentralrat diesen Status. Der Haupteinwand dabei: Die beiden vor allem auf der Bundesebene aktiven Verbände repräsentieren nur einen Bruchteil der Muslime.

Dies soll jetzt offenbar anders werden. „Wir brauchen eine Struktur, die etwas mehr an die hiesigen Gegebenheiten angepasst ist“, sagte Ali Kizilkaya, Vorsitzender des Islamrats. Firouz Vladi, Geschäftsführer der Schura Niedersachsen, die zusammen mit der Landesregierung in einem bundesweit ersten Modellversuch Islamunterricht an acht Schulen organisiert, fordert eine Struktur nach dem Vorbild der Landeskirchen: „Für die Schulen sind die Länder zuständig, daher müssen sich die islamischen Verbände auch föderal organisieren“, sagte er dem Tagesspiegel.

Bisher sind die 600 000 muslimischen Schüler vom Religionsunterricht ausgegrenzt. Um sie zu unterrichten, sind 4500 Lehrer nötig. Eine entsprechende Ausbildung bietet aber seit vergangenem Jahr nur die Universität Münster an.

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