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Oberrabbiner Jona Metzger in Berlin : "Wir werden auch in Zukunft beschneiden"

22.08.2012 00:00 Uhrvon
Der israelische Oberrabbiner Jona Metzger.Bild vergrößern
Der israelische Oberrabbiner Jona Metzger. - Foto: dapd

Der israelische Oberrabbiner Jona Metzger ist nach Berlin gekommen, um zu erklären, wie wichtig die Beschneidung für die Juden ist. Warum die Beschneidung ihren Bund mit Gott besiegelt. Und was die Vorhaut mit einer Uniform zu tun hat. Oder auch nicht.

Der israelische Oberrabbiner Jona Metzger ist eine Autorität für gläubige Juden. Wenn einer Zugeständnisse bei der Praxis der Beschneidung machen kann, dann er.

Jetzt ist er für 48 Stunden nach Berlin gekommen, um den Deutschen im Allgemeinen und der Bundesregierung im Besonderen „Wissen zu bringen“. Er hat mit der Bundesjustizministerin gesprochen und mit den Parteien. Am Dienstag tritt er in der Bundespressekonferenz vor Journalisten. Er versucht es theologisch: Die Beschneidung ist Gottes Gebot und in Thora und Talmud niedergelegt. Gott hat mit den Israeliten einen Bund geschlossen: Er hat sie aus Ägypten und durch die Wüste geführt.

Als Zeichen, dass auch sie in den Bund einwilligen, sollen sie die männliche Vorhaut entfernen. Wer das nicht tut, schlägt den Bund mit Gott aus und ist also kein Jude. So einfach ist das aus seiner Sicht.

Dass die Beschneidung ein Trauma auslösen könne, davon habe er erst jetzt in Deutschland gehört. Er findet es absurd. „Wir machen das seit 4000 Jahren. Wenn das so traumatisch wäre, hätte man doch längst damit aufgehört.“

Außerdem: „Juden haben schon immer die besten Wissenschaftler gestellt. Facebook, Internet, alles Erfindungen von Juden. Alles Traumatisierte?“ Er schüttelt den Kopf und lächelt.

Bildergalerie: Die Debatte um die Beschneidung

Der achte Tag, an dem die Beschneidung nach jüdischem Gesetz vollzogen werden muss, sei die Lebensphase, in der ein Säugling am wenigsten Schmerz empfinde. Hätten Wissenschaftler bewiesen. Er schaut in die Runde und lächelt gütig. Die Stirn vieler Journalisten liegt in Falten.

Metzger setzt noch einmal an, nun ganz Israeli: Die Beschneidung sei wie die „Uniform“ der Soldaten, wie eine „Flagge“, da käme auch keiner auf die Idee, die Farben zu wechseln. Der Vergleich führt ins Gebüsch, er merkt das selbst und korrigiert sich: Eine Uniform könne man ausziehen, die Beschneidung nicht. Sie sei das „Siegel“ auf dem Körper, das die Juden für immer und ewig an Gott erinnern soll.

Warum muss ausgerechnet der Penis gesiegelt werden?, will ein Journalist wissen. Weil der Penis das intimste, verborgenste Körperteil sei. „Und selbst dort im Verborgenen sollen sich die Juden an Gott erinnern.“

Die Mohel, die jüdischen Beschneider, könnten wie in Israel eine medizinische Weiterbildung und ein entsprechendes Zertifikat erhalten, so sieht sein Kompromissvorschlag aus. „Warum nicht eine Mohel-Schule in Berlin gründen?“ Er sei „sehr optimistisch“, dass man zu einer Lösung finde, mit der alle leben können. Am Vortag hat er den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde jedenfalls geraten: „Macht euch keine Sorgen! Wir werden auch in Zukunft beschneiden.“

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