Politik : Rami M. – im Einsatz für Al Qaida

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Frankfurt am Main - In Terrorprozessen wird eigentlich nicht gelacht, doch bei dieser Verhandlung am Oberlandesgericht Frankfurt am Main passiert es dann doch. Er habe schon als Schüler Haschisch konsumiert, sagt der Angeklagte Rami M. am Donnerstag zerknirscht, aber der Vorsitzende Richter tröstet. „Ich habe auch Haschisch geraucht“, sagt Thomas Sagebiel, „das ist gar nichts Schlimmes.“ Das Publikum grinst. Die Atmosphäre am ersten Tag im Prozess gegen den pummeligen Deutschsyrer ist locker.

Die Anklage, die Bundesanwalt Bernd Steudl verliest, klingt jedoch gar nicht witzig. Er wirft dem 25-Jährigen die Mitgliedschaft bei Al Qaida vor und spricht von der „Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat“. Der Islamist war im März 2009 von Hamburg nach Wasiristan gereist, die Terroristenhochburg an der pakistanischen Grenze zu Afghanistan. Erst hielt sich M. bei Kämpfern der Islamischen Bewegung Usbekistans auf, dann ging es zu Al Qaida. Der Angeklagte habe es als seine Pflicht angesehen, im bewaffneten Kampf gegen die westliche Staatenwelt „gegebenenfalls mit der Waffe in der Hand als Märtyrer zu sterben“, sagt Steudl. So weit kam es nicht, doch der Fall erregte im Sommer 2010 Aufsehen. Rami M. hatte sich von Wasiristan aus bei der deutschen Botschaft in Pakistan gemeldet, weil er in die Bundesrepublik zurückwollte, aber keinen Pass mehr hatte. Ein Diplomat lud M. nach Islamabad ein, doch das Bundeskriminalamt befürchtete einen Selbstmordanschlag in der Botschaft. So informierte das BKA die pakistanischen Behörden, die M. im Juni 2010 abfingen. Im August wurde M. an Deutschland überstellt. Seine Aussagen bei der Polizei waren ein Anlass für den damaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), im November öffentlich vor Anschlägen zu warnen. M. hatte berichtet, Al Qaida habe ihn nach Hause geschickt, um hier Geld zu sammeln und andere „Aufträge“ zu erledigen.

Rami M. erzählt nun dem Strafsenat, wie er an Waffen ausgebildet wurde und ihn als „Stadtmensch“ das raue Leben in Wasiristan stresste. Der Prozess dürfte am Montag enden – Richter, Ankläger und Verteidiger haben bereits maximal fünf Jahre Haft vereinbart. Frank Jansen

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