Über jüdische Kultur wird oft so lobend gesprochen, dass es schon nervt.

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Rassismus und Antisemitismus in Deutschland : Muslime sind die neuen Juden
Armin Langer
Auf die Mevlana-Moschee in Kreuzberg wurde vor einigen Wochen ein Brandanschlag verübt.
Auf die Mevlana-Moschee in Kreuzberg wurde vor einigen Wochen ein Brandanschlag verübt.Foto: DPA

Wer bei Google die Kombination "Muslime sind" eingibt, dem liefert die Suchmaschine folgende Vorschläge für "verwandte Suchanfragen": 1. gefährlich, 2. intolerant 3. Abschaum 4. Dreck. In Blogs lese ich, dass "Muslime überall mit gleicher Wildheit agieren" oder dass "Muslime schon immer auf einer Mission gewesen sind." Ich habe dann das Gefühl, dass ich das alles kenne, nur mit "Juden" an Stelle von "Muslime".  Dieses Gefühl ist für mich verstörend. Und glauben Sie mir, dass niemand die Atmosphäre von damals besser nachvollziehen kann als wir Juden. Wir saugen diese Sensibilität  mit der Muttermilch auf. 

Jahrhundertelang waren wir fremd in Europa – Juden haben es nur dann in die Schlagzeilen geschafft, als es um Ritualmorde, internationale jüdische Verschwörungen und „Judenbolschewismus“ ging. Heute, wenn ich während des Frühstücks das Radio einschalte, geht es um jüdische Traditionen und Ikonen. Über Juden und jüdische Kultur wird oft so lobend und freundlich gesprochen, dass es schon nervt. 

Wenn es aber um Muslime geht, handeln die Beiträge fast immer von Terroranschlägen (da kommt Isis einigen wie gerufen) , Gewalt (die Salafisten aus Bonn oder die prügelnden Araber in den Berliner Sommerbädern) oder Integrationsdefiziten (Kopftuch). Wir bekommen das Bild einer gewalttätigen Religion geliefert. Warum  sollte man die anerkennen?

Thilo Sarrazin, Matthias Matussek oder Alice Schwarzer bewegen sich auf dünnem Eis

Als es in Berlin, Bremen und anderen deutschen Städten zu antisemitischen Aussagen bei Demonstrationen gegen Israels Krieg kam, waren sie schnell zur Stelle, diejenigen die das Ganze für ihre antimuslimische Hetze genutzt haben. Aus 1000 Demonstranten auf der al-Quds-Demonstration sind "alle Muslime", ist „der Islam“ geworden, der uns bedroht, den Antisemitismus importiert. Dabei ist das selbe passiert, wie jedes Jahr beim al-Quds-Marsch: Basierend auf dem Verhalten von 0,0001 Prozent der Muslime in diesem Land, werden alle zu gefährlichen Islamisten, die Synagogen anzünden wollen. So wie im Kommentar des stellvertretenden Chefredakteurs der „Bild am Sonntag“ Nicolaus Fest mit dem Titel: "Islam als Integrationshindernis". Dieser Kommentar ist nur das berühmteste Beispiel für die Instrumentalisierung der Juden, um Rassismus zu verbreiten.

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