Sommerferien : Wie sicher ist Urlaub in Krisengebieten?

Sonne, Wasser, Hotel – das sind für viele die entscheidenden Faktoren in den Sommerferien. Und wie steht’s mit der Sicherheit in Zeiten des Terrors und der Krisen? Sechs Tagesspiegel-Korrespondenten geben Auskunft über ihre jeweilige Wahlheimat.

Ein Paradies für Taucher - das Rote Meer ist ein beliebter Auflugsort in Ägypten.
Ein Paradies für Taucher - das Rote Meer ist ein beliebter Auflugsort in Ägypten.Foto: Sergey Dolzhenko/dpa

Ägypten

Schon der griechische Historiker Herodot vor 2500 Jahren schwärmte von Ägypten und pries das Land als ein Geschenk des Nils. Seit Menschengedenken sorgt der weltberühmte Fluss für Leben und Fruchtbarkeit. In seinem grünen Tal leben 95 Prozent der heute 90 Millionen Ägypter. Kein anderes Land der Welt – abgesehen von China – kann auf eine solch imposante Kulturgeschichte von mehr als fünf Jahrtausenden zurückblicken. Das pharaonische, das christlich-koptische und das islamische Erbe – sie alle prägen das moderne Gesicht Ägyptens.

Das Land am Nil mit seinen Stränden und einzigartigen Wüstenlandschaften ist von der Natur reich gesegnet. Bis heute gehört es zu den beliebtesten deutschen Urlaubszielen im Orient, auch wenn der Reiseverkehr seit dem Arabischen Frühling spürbar eingebrochen ist. Um ihre Passagiere einzustimmen, fliegen Lufthansa-Kapitäne beim Anflug auf Kairo schon mal gerne einen Bogen über die Pyramiden am Stadtrand.

Deutsche sind gern gesehen

Wer baden und an den Korallenriffen schnorcheln will, lässt sich per Charterjet direkt ans Rote Meer bringen – nach Hurghada, Marsa Alam oder Scharm el-Scheich. Deutsche sind in Ägypten gern gesehen.Anders als Franzosen und Engländer haben sie nie als Kolonialherren am Nil geherrscht. Das hebt bis heute ihr Ansehen in den Augen der Einheimischen. Für die chaotisch-lebensfrohen Ägypter sind die bleichen Besucher aus Europas Norden bewunderter Inbegriff von Zuverlässigkeit, Ordnung, Fleiß und Wohlstand.

Ein Land, das nur Sonne kennt, so wirbt Ägypten für sich. Es regnet praktisch nie. Das ganze Jahr herrscht strahlendes Wetter, auch wenn das Thermometer im Sommer schon mal über 40 Grad steigt. So viel Licht und Wärme, das färbt ab auf die Mentalität der Menschen. Sie sind fast immer freundlich, gut gelaunt, zu einem kleinen Schwätzchen oder Scherz aufgelegt. Ägypter sind ein humorvolles Volk, nur mit dem Lärm und dem Müll nehmen sie es nicht so genau. Ihre Metropole Kairo ist die schmutzigste Stadt des ganzen Orients, Autofahren ohne ständiges Hupen ist völlig undenkbar.

Millionen werden jeden Morgen um vier Uhr aus ihrem Schlaf gerissen, wenn die lokalen Muezzine mit 130 Dezibel ihr "Beten ist schöner als Schlafen" durch die Wohnstraßen plärren. Mindestens 4000 Moscheen beherbergt allein die ägyptische Hauptstadt plus 50.000 Minigebetsräume, Zawayas genannt. Die Lautsprecher auf den Dächern sind bisweilen größer als die frommen Garagenmoscheen im Erdgeschoss, die dem Hauseigentümer ewigen Lohn im Himmel und einen prächtigen Steuervorteil auf Erden bescheren.

In die Moschee? Schuhe ausziehen!

Ägypter sind stolz auf ihre Toleranz und Weltoffenheit. Wer Alkohol trinken oder Bauchtanz erleben will, braucht sich in Kairo oder Alexandria nicht zu verstecken. Auch das Baden im Meer im Bikini ist kein Problem – allerdings in der Regel nur in den Strandanlagen der Hotels. Die Nase rümpfen Ägypter nur, wenn Frauen in Shorts oder Männer in Unterhemden durch Straßen und Tempel flanieren.

Eine Moschee sollte man niemals leicht bekleidet betreten – und immer vorher die Schuhe ausziehen. Respekt und Fingerspitzengefühl in Fragen der Religion wird bei arabischen Muslimen dankbar registriert. Jemanden zu grüßen und sich ausführlich nach dem Befinden der ganzen Familie zu erkundigen, gilt als selbstverständlich.

Körperliche Distanz - Fehlanzeige

Andererseits halten Ägypter für westlichen Geschmack bisweilen nicht genügend körperliche Distanz. Manche drängen sich einem auf oder drängeln sich ruppig vor. Auch sexuelle Belästigungen in Bussen, auf der Straße oder in der Metro sind leider recht häufig. "Ich kenne Sie aus dem Hotel" – wer so angesprochen wird, sollte misstrauisch reagieren. Nepper und Schlepper gibt es in Ägypten zuhauf. Eine Plage sind sie vor allem in der Königsstadt Luxor in Oberägypten, wo die Stadtverwaltung kürzlich strikte Benimmregeln erlassen hat.

Seitdem haben alle Geschäfte auf dem Andenkenmarkt ein Schild an der Tür – "hier keine Anmache". Trotzdem stürzen sich die Verkäufer sofort auf jeden Reisenden, der sich nähert. Seinen neuesten Lockruf hat dem arglosen Turbanträger wohl ein deutscher Spaßvogel beigebracht: "Ich bin kein Schlawiner und kein Arschloch", deklamiert er stolz. Wer kann sich da als Kunde schon verweigern. Martin Gehlen

2 Kommentare

Neuester Kommentar