SPD-Kanzlerkandidat : Wie viel hat Peer Steinbrück dazuverdient?

Peer Steinbrück steht wegen seiner Nebeneinkünfte in der Kritik. Bei der Haushaltsdebatte des Bundestags im Januar 2010 fehlte er - trat aber am gleichen Tag bei einer "exklusiven Abendveranstaltung" auf. Ist er seinen Pflichten als Abgeordneter nachgekommen?

von und Simone Schelk
Peer Steinbrück steht wegen seiner Nebeneinkünfte in der Kritik.
Peer Steinbrück steht wegen seiner Nebeneinkünfte in der Kritik.Foto: dpa

Nebentätigkeiten von Politkern. Wie viel darf ein Abgeordneter dazuverdienen?

Der designierte SPD–Kanzlerkandidat ist ein Mann der Worte. Als Bundestagsabgeordneter hielt er so viele Reden wie kein anderer – allerdings nicht vor bezahlten Volksvertretern, sondern vor zahlenden Gästen.

Wie viel verdiente Peer Steinbrück mit seinen Reden?

Rund 80 Reden hat Peer Steinbrück seit Beginn der Legislaturperiode 2009 gehalten. Für fast alle wurden ihm jeweils mehr als 7000 Euro Honorar überwiesen. Macht insgesamt mindestens 609 000 Euro, die er neben seinem regulären Abgeordnetensold von etwa 10 000 Euro monatlich verdient hat. Eine genaue Angabe ist nicht möglich. Zwar sind Parlamentarier verpflichtet, ihre Einkünfte offenzulegen, wenn sie mehr als 1000 Euro pro Monat oder 10 000 Euro pro Jahr betragen. Doch konkret angegeben werden müssen die Einkünfte nicht, es reicht, sie in eine von drei Pauschalstufen einzuordnen. Die höchste gilt bisher für Einkommen ab 7000 Euro – nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Ein Vortrag des ehemaligen Finanzministers kann laut Medienberichten bis zu 20 000 Euro kosten.

Die Karriere Steinbrücks
Aber auch mit seinem Hobby gerät der Politiker dieses Jahr in die Schlagzeilen. Für ein privates Schachturnier hatte er 2006 als Bundesfinanzminister für Spendengelder in Millionenhöhe geworben. Auch wenn diese damals nicht gewährt wurden, sahen viele Kritiker einen Amtsmissbrauch in diesem Vorgehen.Weitere Bilder anzeigen
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02.10.2012 15:15Aber auch mit seinem Hobby gerät der Politiker dieses Jahr in die Schlagzeilen. Für ein privates Schachturnier hatte er 2006 als...

Die Agentur „Celebrity Speakers“, die im März 2011 im Düsseldorfer Wirtschaftsclub einen „exklusiven Vortrags-Abend“ für „hochrangige Gäste“ mit Steinbrück ausgerichtet hat, erteilt auf Nachfrage keine Auskunft. „Wir lesen uns ungern in der Presse, weil wir in einem sehr sensiblen Bereich arbeiten“, lässt Sprecherin Annette Gerling wissen. Roland Vestring vom „The London Speaker Bureau“, das neben Steinbrück auch Joschka Fischer, Hans-Dietrich Genscher und Richard von Weizsäcker vermarktet, lässt sich zwar nicht in seine Honorarlisten blicken. Aber er bestätigt, dass ein Betrag von 15 000 bis 20 000 Euro für einen hochkarätigen Redner durchaus realistisch sei. „In der Euro-Krise sind Experten mit Fachwissen und einem Gesamtüberblick besonders gefragt“, sagt er. Klare Kante und klare Aussagen: Mit dieser Kombination komme man auf dem Markt gut an. Diese Beschreibung trifft auf Peer Steinbrück zu – freilich ohne dass Vestring dessen Namen nennt.

Welche anderen Nebeneinkünfte hat der designierte SPD-Kanzlerkandidat?

Die Liste von Steinbrücks bezahlten Nebeneinkünften wird noch länger durch die Veröffentlichung zweier Bücher und durch seine beiden Tätigkeiten im Aufsichtsrat der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA sowie der ThyssenKrupp AG. Für Letztere soll er nach Recherchen des Online-Portals „abgeordnetenwatch.de“ zwischen 130 000 und 230 000 Euro jährlich erhalten. Mit einem Garantiehonorar von geschätzten 250 000 Euro pro Buch hat Steinbrück demnach seit 2009 etwa eine Million Euro verdient. Sein Aufsichtsratsmandat bei ThyssenKrupp will Steinbrück nach eigenen Aussagen zukünftig niederlegen.

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