Statistik : 30 Prozent der Neugeborenen sind Migrantenkinder

Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden: Inzwischen haben 16 Millionen Menschen in Deutschland ausländische Wurzeln.

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Berlin - Erstmals hat im vergangenen Jahr die Zahl der hier lebenden Menschen mit Migrationshintergrund mehr als 16 Millionen betragen. Das ist ein knappes Fünftel der Bevölkerung oder 19,6 Prozent. Im Jahr zuvor lag ihr Anteil noch bei 15,6 Millionen Menschen, seinerzeit 19 Prozent der Bevölkerung. Diese Zahlen stellte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch vor.

Der Sprung ist auch damit zu erklären, dass die Statistiker laut Gesetz nur alle vier Jahre so genau nach der Zuwanderungsgeschichte der Familien fragen dürfen, dass auch Migrationsgeschichten erfasst werden, die sonst unentdeckt bleiben. Das geschah zuletzt – und überhaupt zum ersten Mal – 2005, als das Gesetz über den Mikrozensus zum ersten Mal angewandt wurde. Im somit eigentlichen Vergleichsjahr 2005 gab es noch 15,3 Millionen Migranten; sie machten 18,6 Prozent der Bevölkerung aus. Der Migrantenanteil hat sich also in vier Jahren um einen Prozentpunkt nach oben verschoben.

Der Trend ist aber jedes Jahr und nicht nur alle vier Jahre deutlich: Der Anteil von Menschen, die selbst oder deren Familie nicht aus Deutschland stammen, steigt kontinuierlich. Und er tut es besonders deutlich unter den Jüngsten. Migranten sind mit einem Altersschnitt von 34,7 Jahren ohnehin deutlich jünger als Deutsche (45,6 Jahre). Und unter den Neugeborenen machen die Migrantenkinder inzwischen mindestens 30 Prozent aus, in städtischen Ballungsgebieten auch 60 Prozent und mehr. „In einzelnen Stadtbezirken ist die Zwei-Drittel-Grenze geknackt“, sagt Gunter Brückner vom Statistischen Bundesamt. Die ethnisch deutsche Bevölkerung schrumpft zugleich – um 1,3 Millionen seit 2005. Sie stirbt nach Einschätzung der Statistiker praktisch weg. Der Migrantenanteil an den über 75-Jährigen ist statistisch noch irrelevant.

Die Kinder der Migranten freilich werden öfter in schwierige Verhältnisse hineingeboren als ethnisch deutsche Babys – auch das zeigen die Zahlen aus Wiesbaden. Migranten im erwerbsfähigen Alter, also zwischen 25 und 65 Jahren, sind doppelt so häufig (12,7 Prozent) arbeitslos wie der Schnitt der Bevölkerung (6,2 Prozent) und sie sind besonders armutsgefährdet. Mehr als ein Viertel der Haushalte (25,2 Prozent) trugen 2009 ein hohes Armutsrisiko, wenn ein Migrant der Haupteinkommensbezieher war. Ähnlich gefährdet waren dagegen nur 11,1 Prozent der ethnisch deutschen Haushalte. Dramatisch sind die Unterschiede im Bildungserfolg: Während 1,8 Prozent der Deutschen die Schule ohne Abschluss verlassen, sind es bei den Migranten 14 Prozent; ohne Berufsausbildung sind 19,2 Prozent der Deutschen, aber 42,8 Prozent der Migranten.

Der „Migrationshintergrund“ kam 2004 in die Bevölkerungsstatistik. Damals wurde das Mikrozensusgesetz geändert und in die neue Fassung auch Fragen nach der Zuwanderungsgeschichte aufgenommen. Migrationshintergrund hat demnach, wer nach 1950 ins Gebiet der heutigen Bundesrepublik kam – auf diese Weise werden Vertriebene aus den früheren deutschen Gebieten in Polen, Tschechien und der früheren Sowjetunion nicht mitgerechnet – oder wer selbst oder wessen Eltern oder Großeltern nicht in Deutschland geboren wurden.

Während nach der alten Einteilung in deutsche Staatsbürger und Ausländer der Ausländeranteil bei knapp neun Prozent lag, stellte sich 2005 beim ersten veränderten Mikrozensus heraus, dass Deutschland in Wirklichkeit ethnisch mindestens doppelt so vielfältig war. Die beiden größten Gruppen stellten auch im vergangenen Jahr Türken (3 Millionen) und Migranten aus der früheren Sowjetunion ( 2,9 Millionen ). Aus Ex-Jugoslawien und Polen stammten je 1,5 Millionen, gefolgt von Italienern (830 000) und Griechen (403 000). Der Osten ist davon fast unberührt: 96 Prozent aller Migranten lebten auch 2009 auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik und des früheren Westberlin.

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