Politik : Studie: 100000 Tote durch Irakkrieg

Hendrik Bebber

London - Die Gefahr eines gewaltsamen Todes ist im Irak seit dem Krieg 58-mal höher als zur Zeit der Herrschaft von Saddam Hussein. Das ist das Ergebnis einer Studie amerikanischer und irakischer Gesundheitsexperten, die die Fachzeitschrift der britischen Ärzte, „The Lancet“, veröffentlichte. Demnach seien seit März vergangenen Jahres schätzungsweise 100000 Zivilisten umgekommen.

Die meisten Opfer seien Frauen und Kinder. Sie seien vor allem bei Luftangriffen der Amerikaner und ihrer Verbündeten umgekommen, erklärt das Team der Wissenschaftler unter der Leitung von Les Roberts von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore (USA). Die Zahl der Zivilisten, die bei Bodenkämpfen getötet wurden, sei geringfügig. Die Untersuchungen berücksichtigen dabei nicht die Angriffe auf die Rebellenhochburg Falludscha, damit die dort besonders hohe Zahl von Opfern die Statistik nicht verzerrt.

Richard Horton, der Chefredakteur des „Lancet“, bezeichnete die Studie als Beweis dafür, „dass die Sterblichkeitsrate im Irak durch den Waffeneinsatz aus der Luft gestiegen ist. Dieser Befund verlangt dringend eine militärische und politische Reaktion, die das Vertrauen der Iraker in die hauptsächlich aus Amerikanern und Briten zusammengesetzten Besatzungstruppen wiederherstellt.“ Die Autoren des Reports kritisieren die Weigerung der Besatzungsmächte, Zahlen der getöteten Zivilisten bekannt zu geben, obwohl sie dazu durch die Genfer Konvention verpflichtet wären. Die ehemalige britische Entwicklungsministerin Clare Short bezeichnete die Ergebnisse der Studie als „fürchterlich. Wann hört Tony Blair endlich auf zu sagen: Es ist ein großer Segen für das irakische Volk, dass Saddam nicht mehr am Ruder ist?“

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