Unicef-Bericht über Deutschland : Flüchtlingskinder werden oft ungleich behandelt

Flüchtlingskinder sind in Deutschland bei der medizinischen Versorgung oder Bildung oft schlechter gestellt als deutsche Kinder. "Ihre Situation hängt oft stark vom Zufall ab", stellt Unicef fest.

Ein syrisches Flüchtlingskind kommt in der Flüchtlingsunterkunft in Gera (Thüringen) an.
Ein syrisches Flüchtlingskind kommt in der Flüchtlingsunterkunft in Gera (Thüringen) an.Foto: dpa

Flüchtlingskinder in Deutschland werden nach Einschätzung von Unicef oft sehr ungleich behandelt. „Ihre Situation hängt oft stark vom Zufall ab“, stellte das UN-Kinderhilfswerk in einem am Dienstag veröffentlichten Lagebericht fest. Bei der medizinischen Versorgung oder bei der Bildung seien sie deutlich schlechter gestellt als deutsche Kinder im gleichen Alter. Auch von Flüchtlingskind zu Flüchtlingskind gebe es große Unterschiede - je nachdem, ob man wegen des Herkunftslandes eine „gute“ oder eine „schlechte“ Bleibeperspektive annehme.

Unicef verwies auf die UN-Konvention über die Rechte des Kindes. „Alle Kinder haben die gleichen Rechte - ganz egal woher sie kommen, welcher Gemeinschaft sie angehören und welchen Aufenthaltsstatus sie haben“, erklärte Christian Schneider von Unicef Deutschland. Aus Sicht des Kinderhilfswerkes geben viele Entwicklungen aus den vergangenen Monaten Anlass zur Sorge.

Der Rückgang der Flüchtlingszahlen führt laut Unicef nicht automatisch dazu, dass provisorische Lösungen bei der Unterbringung aufgegeben werden - etwa umfunktionierte Turnhallen. Vor allem in Großstädten wie Berlin und Köln befürchtet das Hilfswerk, dass Familien sogar über Jahre in Gemeinschaftsunterkünften leben müssten.

Die Kinder und Jugendlichen verbringen immer mehr Zeit in Erst- oder Notaufnahmelagern


Die Zeitspanne, die Kinder und Jugendliche in Erst- und Notaufnahmeeinrichtungen verbringen müssten, habe sich verlängert - von drei auf sechs Monate oder mehr. Das verzögere die Integration in Schulen und Kindergärten. „Besonderen Anlass zur Sorge mit Blick auf Kinder geben die neu geschaffenen „Sondereinrichtungen“ für Menschen mit „schlechter Bleibeperspektive“, also aus Ländern mit einer geringen Anerkennungsquote bei Asylverfahren“, stellt der Bericht zudem fest. Dort seien die Chancen der Kinder noch geringer, zum Beispiel zur Schule gehen zu können - obwohl sie häufig sechs Monate oder länger in den Einrichtungen lebten.

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Viele Flüchtlingseinrichtungen seien „trostlose Orte, die für die Entwicklung der Kinder und ihre Integration nicht förderlich“ seien, heißt es in dem Dokument. Es fehle an Privatsphäre und ein ruhiges Plätzchen für die Hausaufgaben sei schwer zu finden. Unicef fordert unter anderem eine bundesgesetzliche Regelung, um Flüchtlingskinder überall zu schützen und zu fördern. "Die große Koalition muss die richtigen Konsequenzen aus den Studien ziehen", sagt Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, "wir brauchen dringend eine Bildungsoffensive für unsere Kinder – ob geflüchtet oder nicht.“

Die Erkenntnisse für den Lagebericht haben Unicef und der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) unter anderem aus Gesprächen und eigenen Erfahrungen zusammengetragen. Eine repräsentative Studie ist es nicht. (Tsp/dpa)

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