Von der Leyens Reformpläne : Wie familienfreundlich ist die Bundeswehr?

Ursula von der Leyen will die Bundeswehr zu einem familienfreundlichen Arbeitgeber umbauen. Kann das gelingen?

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Die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat einen ersten inhaltlichen Akzent gesetzt. In einem Interview kündigte sie an, die Bundeswehr familienfreundlicher machen zu wollen.

Was schlägt von der Leyen vor?

Um, wie sie der „Bild am Sonntag“ sagte, die Bundeswehr zu „einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland“ zu machen, will Ursula von der Leyen die Vereinbarkeit von Dienst und Familie verbessern. Dafür sollten Teilzeitmöglichkeiten wie eine Drei- oder Viertagewoche sowie Lebensarbeitszeitkonten eingeführt werden. Außerdem soll das Betreuungsangebot verbessert werden und Tagesmütter in Kasernen stärker zum Einsatz kommen. Auch will die Ministerin das Versetzungssystem mit dem viele familiäre Probleme einhergehen überprüfen.

Wie drängend ist das Problem?

Im Alltag der Bundeswehr ist das sicher eines der wichtigsten Themen. Immer wieder hat der Bundeswehrverband und auch der Wehrbeauftragte des Bundestages auf die Probleme hingewiesen. Auch von Seiten der Opposition und der Sozialdemokraten kam immer wieder die Mahnung, die Attraktivität der Bundeswehr durch eine bessere Vereinbarkeit von Dienst und Familie zu erhöhen.

Was sind die zentralen Probleme?

Die Auslandseinsätze, die häufigen Ortswechsel und die Betreuungssituation machen die Bundeswehr so unattraktiv für Familien. Wer in der Bundeswehr Karriere machen will, muss damit leben, häufig zu wechseln: die Position aber auch den Ort. Und das ist für Familien eine Belastung, da Kinder die Schule und die Ehefrau oder der Ehemann auch die Arbeit wechseln müssten. Laut dem aktuellsten Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus entscheiden sich deshalb viele für das Pendeln, um Kindern und Partner ständige Wechsel zu ersparen. Durch die angefangene Strukturreform der Bundeswehr befürchteten viele aber keine Verbesserungen, sondern im Gegenteil weitere Belastungen für die Familien. Im aktuellsten Wehrbericht wird deshalb auch Kritik an den Standortentscheidungen getroffen. „Darüber hinaus ist es nicht nachvollziehbar, warum Attraktivitätsgesichtspunkte wie eine elternfreundliche Infrastruktur in den getroffenen Standortentscheidungen so wenig sichtbar werden. Dies ist umso weniger verständlich, als der Faktor „Familienfreundlichkeit“ im Bereich der Nachwuchsgewinnung, vor allem für eine nachhaltige Bindung an die Streitkräfte von herausragenderBedeutung ist“, heißt es da.

Auch das Thema Planungssicherheit wird als Indikator für Familienfreundlichkeit aufgeführt. „Es kann nicht hingenommen werden, wenn ein Soldat mit zwei einzuschulenden Kindern Ende Juli noch nicht weiß, wohin er zum 1. Oktober versetzt wird“, schreibt der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hellmut Königshaus, in seinem Bericht. Das Thema Schulwechsel spiele eine große Rolle, da vor allem das föderale Schulsystem nicht passend sei für die von Bundeswehrangehörigen eingeforderte hohe Mobilität. Deshalb verweist Königshaus auf Frankreich, wo es spezielle Internate für Armeeangehörige gibt. „Ein erster hilfreicher Schritt für die betroffenen deutschen Soldatenfamilien wäre es, die Versetzungen zumindest den Schuljahresanfangsterminen anzupassen“, heißt es.

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