Sport : Afrika in Detmold

Wie ein deutscher Manager die Marathon-Weltklasse betreut

Jörg Wenig

Berlin. In New York feierte Volker Wagner im vergangenen November den größten Erfolg seiner Karriere als Athletenmanager. Bei dem berühmtesten Marathonlauf der Welt kamen beide Sieger aus der Detmolder Trainingsgruppe des 53-Jährigen: Rodgers Rop und Joyce Chepchumba. Die zwei Kenianer stehen nun auch auf der Startliste des Berliner Halbmarathons, der morgen ab 9.30 Uhr auf der Karl-Marx-Allee gestartet wird.

Das afrikanische Trainingscamp in Detmold entstand 1987. Damals war der Weltklasseläufer Suleiman Nyambui (Tansania) der erste Athlet, dem Volker Wagner Starts in Deutschland vermittelte. Zufällig hatte er Suleiman Nyambui, der 1980 Olympiazweiter über 5000 m war, kennen gelernt. „Später haben wir uns wieder getroffen und angefreundet“, erzählt Volker Wagner, der Suleiman Nyambui dann anbot, ihm Starts bei deutschen Straßenläufen zu vermitteln. 1987 kam Suleiman Nyambui tatsächlich zu Volker Wagner und gewann noch im gleichen Jahr den Berlin-Marathon.

Mit einem siebensitzigen Peugeot kutschierte Wagner damals seine Läufer jedes Wochenende zu einem anderen Rennen. Vertrauen war damals seine Devise, Verträge machte er mit Athleten oder Laufveranstaltern nur selten – bis er auf die Nase fiel. „Einige Veranstalter sagten etwas zu, merkten dann, dass sie ihr Budget überschritten hatten, und zahlten nicht das versprochene Startgeld“, erzählt Wagner. Auch einige von Nyambuis Kollegen ließen ihn hängen. „Es ist öfter passiert, dass ich Läufern aus Tansania die Reisekosten verauslagt, ihnen noch Geld geliehen habe, und dann waren sie verschwunden und tauchten bei einem anderen Manager wieder auf.“

Je mehr Erfahrung Volker Wagner sammelte, desto mehr arbeitete er mit Kenianern zusammen. „Sie haben eine andere Mentalität als die Läufer aus Tansania und sind zuverlässiger.“ Das größte Glück in der Karriere des Volker Wagner war nicht unbedingt der New-York-Marathon 2002. Es war vielmehr Tegla Loroupe. Als 19-Jährige war die Kenianerin 1992 nach Deutschland gekommen. Unter Volker Wagner wurde sie zum Star, gewann dreimal die Halbmarathon-Weltmeisterschaft und stellte zwei Marathon-Weltrekorde auf.

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