Alba Berlin fliegt nach China : Chengdu ist keine Reise wert!

Ohne den Trainer und wichtige Spieler brechen die Berliner Basketballer überraschend nach China auf - sportlich ein Irrsinn und wohl dem Sponsor geschuldet, meint unser Autor. Ein Kommentar.

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Muss zuhause bleiben: Ohne Trainer Ahmet Caki (r.) reisen die Basketballer von Alba Berlin nach China.
Muss zuhause bleiben: Ohne Trainer Ahmet Caki (r.) reisen die Basketballer von Alba Berlin nach China.Foto: imago/Camera 4

Kurz vor dem Saisonstart haben Basketballtrainer nur zwei Wünsche: Sie wollen ihre Spieler beisammen haben und ungestört trainieren. Alba Berlins Coach Ahmet Caki ist also doppelt zu bemitleiden: Sein Team brach am Mittwoch überraschend nicht nur zu einer strapaziösen Reise nach China auf – Caki durfte zudem aufgrund von Visa-Problemen genauso wenig mitfliegen wie sein Assistenztrainer und die Spieler Dominique Johnson und Engin Atsür. Albas Fünf-Tage-Trip ins westchinesische Chengdu bringt die Vorbereitung völlig durcheinander und reißt das Team entzwei. Und sie wirft Fragen nach Sinn und Unsinn der engen Beziehung zwischen Klub und Hauptsponsor Alba Group auf.

Sportlich ist die Reise ein Irrsinn. Die Bundesliga-Saison beginnt schon in gut zwei Wochen, Albas Kader ist ohnehin arg ausgedünnt, es gibt Verletzungen, Abstellungen für Nationalteams und einen Profi, der sich weigert, am Training teilzunehmen. Nun fliegt ein Teil der Mannschaft über sechs Zeitzonen hinweg knapp 7400 Kilometer, um auf Einladung der Provinz Sichuan eine Messe zu besuchen und ein Testspiel gegen Chinas Meister Sichuan Blue Whales zu absolvieren. Der Berliner Basketballklub engagiert sich seit Jahren in China und kooperiert mit Schulen und Verbänden – ausschlaggebend für die Reise dürfte aber das geschäftliche Interesse seines Namenssponsors sein.

Verein und Unternehmen feiern in diesem Jahr das 25. Jubiläum ihrer Kooperation, die Basketballer haben der Recycling-Firma viel zu verdanken, auch den aktuellen chinesischen Trikotsponsor hat die Alba Group vermittelt. Vielleicht kann sich der Klub nun erneut einen Geldgeber aus China sichern oder zumindest wertvolle Kontakte knüpfen. Sollte das aber nicht der Fall sein, wirkt der Trip nach Chengdu wie eine von oben angeordnete Dienstreise einer Betriebssportgruppe.

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