Sport : Ein Leben für den Marathon Joan Benoit Samuelson ist mit 50 noch vorne dabei

Jörg Wenig

Berlin - Es ist knapp ein Vierteljahrhundert her, da schrieb Joan Benoit Samuelson Sportgeschichte. Damals, 1984 in Los Angeles, stand erstmals auch für Frauen der Marathonlauf auf dem olympischen Programm. Lange Zeit galten die 42,195 Kilometer für Frauen als unzumutbar, doch die US-Amerikanerin zeigte als erste Olympiasiegerin, dass es Frauen doch können.

Die 1,60 Meter große Samuelson setzte sich damals in L.A. bereits kurz nach dem Start von den Konkurrentinnen ab. Selbst Marathon-Ikonen wie die Norwegerinnen Grete Waitz und Ingrid Kristiansen oder die Portugiesin Rosa Mota kamen nicht mehr an die damals 27-Jährige heran, die in 2:24:52 Stunden souverän gewann. Seitdem ist Joan Benoit Samuelson in den USA eine Legende des Laufsports. Sie hat zwei Bücher über das Laufen geschrieben, einen eigenen großen Lauf in ihrer Heimat Maine gegründet und hält für ihren langjährigen Sponsor Vorträge. 2006 lief sie beim New-York-Marathon als Tempomacherin beim Start des ehemaligen Radstars Lance Armstrong. Heute rennt sie immer noch, nach fast 30 Jahren.

Mit einem Überraschungssieg hatte 1979 die Marathonkarriere der Amerikanerin begonnen. Nach einem Testrennen ging sie als Außenseiterin beim Boston-Marathon an den Start. Sie machte sich keine Gedanken über Tempo und Taktik, lief einfach los und gewann, mit einem neuen Streckenrekord. Viele ihrer heutigen Konkurrentinnen waren damals nicht einmal geboren. Vier Jahre später triumphierte sie wiederum spektakulär in Boston: 1983 steigerte Samuelson die Weltbestzeit von Grete Waitz um fast drei Minuten auf 2:22:43. In wenigen Wochen wird Joan Benoit Samuelson 51 Jahre alt. Während ihre früheren Rivalinnen ihre Karrieren längst beendet haben, startet die Mutter zweier erwachsener Kinder heute ein letztes Mal bei einem Rennen in Verbindung mit den Olympischen Spielen. In Boston wird sie beim US-Olympia-Qualifikationsrennen dabei sein.

In einer nach Bestzeiten sortierten Startliste der US-Trials steht Joan Benoit Samuelson mit 2:21:21 Stunden an zweiter Stelle – diese Leistung ist allerdings 23 Jahre alt.Warum startet die grauhaarige Samuelson jetzt noch beim Ausscheidungsrennen für Olympia? Die simple Antwort lautet: Weil Laufen ihr Leben ist, und weil sie immer noch schnell genug ist. Sie hat sich 2006 in Twin Cities mit einer Zeit von 2:46:27 Stunden für die Trials qualifiziert. Über einen Olympiastart macht sich Samuelson aber keine Illusionen, dafür wäre eine Zeit von 2:32 Stunden in Boston nötig.

„Ich dachte mir, ich sollte meine Marathonkarriere dort beenden, wo ich sie begonnen habe“, sagte Joan Benoit Samuelson vor ihrem heutigen Start der Zeitung „Boston Globe“. Sie meinte damit ihre professionelle Karriere, denn laufen wird sie weiter. Jörg Wenig

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